PfadnavigationHomePanoramaStreet-Art-Schau in Chemnitz„Deutschland mordet mit“ – Ausstellung hängt Kunstwerke nach Antisemitismus-Vorwürfen abVeröffentlicht am 02.09.2025Lesedauer: 3 Minuten„No Pride in Genocide“ und „Deutschland mordet mit“ steht in einer Arbeit von Luke Carter auf dem Streetart-Festival Ibug in Chemnitz. Das Kunstwerk wurde inzwischen abgehängtQuelle: Hendrik Schmidt/dpaIm Programm der Kulturhauptstadt Europas läuft in Chemnitz aktuell eine Street-Art-Schau. Doch es gibt Antisemitismus-Vorwürfe gegen gleich mehrere Arbeiten. So reagieren Veranstalter und Künstler.Nach Antisemitismus-Vorwürfen haben die Organisatoren der Street-Art-Ausstellung Ibug in Chemnitz Teile eines Kunstwerks abgehängt. Konkret handelt es sich den Angaben zufolge um eine Arbeit des Künstlers Luke Carter mit dem Schriftzug „Deutschland mordet mit“. Laut einem Experten der Johns Hopkins Universität seien Teile des Werkes problematisch, teilten die Veranstalter auf Anfrage mit. „Obwohl die Arbeit des Künstlers in ihrer Intention nicht antisemitisch ist, haben wir uns entschieden, diese Teile abzuhängen.“ Darüber hatte zuvor die „Freie Presse“ berichtet.Das Festival für urbane Kunst ist Teil des Programms von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025. Die Ibug als Projektpartnerin sei für die Inhalte eigenverantwortlich, betonte die Geschäftsführung der Kulturhauptstadt gGmbH auf dpa-Anfrage. Die Vertragspartner seien aber verpflichtet, sich an vereinbarte Richtlinien zu halten. Dazu gehörten Werte wie Menschenwürde, Vielfalt und Toleranz. „Antisemitische oder menschenverachtende Äußerungen widersprechen diesen Grundwerten und finden in unserem Umfeld keinen Platz.“ Die Vorwürfe gegen die Ibug würden nun unabhängig auch seitens der Kulturhauptstadt gGmbH juristisch und inhaltlich geprüft.Das Festival – Ibug steht kurz für Industriebrachenumgestaltung – verwandelt alljährlich an wechselnden Orten Brachen in eine Galerie für urbane Kunst. Dieses Jahr wurde dafür ein ehemaliges Krankenhaus auserkoren. Dabei sind Arbeiten von 70 Künstlern und Kollektiven aus dem In- und Ausland zu sehen.Lesen Sie auchEtliche Arbeiten beschäftigen sich mit dem Gaza-Krieg und dem Leid der Zivilbevölkerung. Neben dem Werk von Luke Carter etwa Gino Dambrowski, der eine Mutter mit ihrem vier Jahre alten Kind zeigt, das bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen ist. Darüber steht nur ein Wort: „Staatsräson“. In einem anderen Werk zeigt der Künstler Plan B unter der Überschrift „Netanyahu's Stickers Gaza Set“ verstümmelte Kinder.Das sagen die Künstler selbstDer Künstler selbst verteidigt seine Arbeit. Die Vorwürfe seien unbegründet, „da die Werke nichts Antisemitisches enthalten“, schreibt Plan B in einer Reaktion. Sie richteten sich nicht gegen Juden als Bevölkerungsgruppe, sondern basierten auf Fakten zur Situation in Gaza. Es gehe um eine Kritik an den Machthabern. Carter verwies auf Berichte von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen. Und der Slogan „Deutschland mordet mit“ beziehe sich auf militärische und finanzielle Unterstützung Deutschlands für Israel. Er monierte, dass in Deutschland der Antisemitismusvorwurf benutzt werde, um Menschenrechtsexperten zum Schweigen zu bringen.Ministerin zieht positives ZwischenfazitDie sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) zieht dennoch ein positives Zwischenfazit. „Die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 mit all den großartigen Projekten und Veranstaltungen ist schon jetzt ein Riesenerfolg“, sagte Klepsch am Dienstag in Dresden. „Chemnitz und die Region erhalten überregional eine große Aufmerksamkeit, die Stadt lebt auf, weckt Interesse und überrascht durch Vielseitigkeit.“Das Kulturhauptstadtjahr habe sich demnach insbesondere positiv auf den Tourismus ausgewirkt, die Übernachtungszahlen der Stadt und der Region seien im ersten Halbjahr deutlich gestiegen. „Es sind dabei nicht allein die einzelnen Veranstaltungen, die wirken, sondern auch die Menschen haben mehr zueinander gefunden und die Verbindung zu Europa ist greifbarer geworden“, so Klepsch. „Diesen Erfolg wollen wir auch nach 2025 weiterführen und hierfür sind wir auf einem sehr guten Weg.“dpa/saha