Sofa oder Stuhl, weich gepolstert oder hart am Hintern? Der Tänzerchoreograf Jeremy Nedd muss nicht lange überlegen. Sein rechtes Knie schmerzt so stark, dass er bei der Produktionsleitung ein Coolpack geordert hat und zum Gespräch das Bein samt Kühlbandage auf den Couchtisch packt. Vor fünf Minuten hat noch nichts darauf hingedeutet, dass sich der Künstler mit Gelenkproblemen herumschlägt. Da stand er mit einer fünfköpfigen Crew auf der Probebühne der Berliner Sophiensäle, um die Choreografie für den Auftritt beim Festival „Tanz im August“ am nächsten Tag zu proben: „from rock to rock … aka how magnolia was taken for granite“. Es ist die jüngste Arbeit von Jeremy Nedd, 1985 geborener Tänzer aus New York, der sich seit 2015 zusehends aufs Tanzdesign verlegt hat – mit internationalem Zuspruch, denn seine Inszenierungen überzeugen durch Esprit, Eleganz und Gespür für politische Aktualität.