PfadnavigationHomePanoramaBürgermeister von Friedland16-Jährige von Zug erfasst – „Die Aussage ‚lückenlose Aufarbeitung‘ verfängt bei Bürgern nicht mehr“Veröffentlicht am 03.09.2025Lesedauer: 3 MinutenDer Fall des abgelehnten Asylbewerbers, der in Friedland ein Mädchen vor den Zug gestoßen haben soll, ist für den Ort ein Schock. „Das Ziel müsste sein, die Strukturen so zu bauen, dass es sowas nicht mehr gibt“, sagt Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD).Warum wurde der Asylbewerber, der in Friedland ein Mädchen vor einen Zug gestoßen haben soll, nicht abgeschoben? Der SPD-Gemeindebürgermeister sieht die Verantwortung auf Landes- und Bundesebene – und kritisiert seine eigene Partei.Nach dem Tod einer 16-Jährigen am Bahnhof im niedersächsischen Friedland kritisiert der Gemeindebürgermeister die Politik auf Landes- und Bundesebene. „Das Ziel müsste sein, die Strukturen so zu bauen, dass es so was überhaupt nicht mehr gibt“, sagte Andreas Friedrichs (SPD) im Interview mit WELT TV auf die Frage, warum Straftäter in der Vergangenheit oft einer geplanten Abschiebung entgangen sind. „Nach zehn Jahren Frau Merkel ,Wir schaffen das‘ müsste man solche Strukturen dann auch mal irgendwann gebaut haben.“Er selbst sei „auf der untersten Ebene“ ein Gemeindebürgermeister. „Wir haben so viel von der Landes-, Bundes- und Europaebene hier unten zu ertragen, wo ich oft den Kopf schüttele“, sagte der SPD-Politiker. „Natürlich interveniere ich auch über die Parteienstruktur. Aber wenn da ein kleiner Bürgermeister anruft, dann zuckt keiner. Aber ich glaube, es wird Zeit, dass wir dort was ändern müssen.“Ein 16-jähriges Mädchen war am 11. August in Friedland von einem Güterzug erfasst und tödlich verletzt worden. Zunächst ging die Polizei von einem Unfall aus. Inzwischen steht ein abgelehnter Asylbewerber aus dem Irak im Verdacht, das Mädchen vor den Zug gestoßen zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind DNA-Spuren des 31-Jährigen an der Schulter des Opfers gefunden worden. Der Beschuldigte wurde per Unterbringungsbefehl in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.Lesen Sie auchGemeindebürgermeister Friedrichs hatte nach dem Tod des Mädchens von einem „tragischen Unglücksfall“ gesprochen. Auf die Frage, ob er die Formulierung mittlerweile für einen Fehler halte, sagte er zu WELT TV: „Mir lagen damals keine anderen Erkenntnisse vor.“ Auf Spekulationen lasse er sich nicht ein. „Jetzt, wo es doch deutlich in die Ermittlungen einer Gewalttat geht, stehe ich auch dazu, dass es sich wahrscheinlich um eine Gewalttat handelt.“Es gebe viele Fragen, denen er sich nur anschließen könne: „Das muss aufgeklärt werden. Wichtig ist, dass die Gerichtsbarkeit jetzt auch ein Urteil spricht, möglichst schnell.“ Gleichzeitig betonte Friedrichs: „Ich glaube, es hilft nicht, immer nur zu erzählen, wir arbeiten das auf. Sondern wir müssen mal gucken, ob wir nicht grundsätzliche strukturelle Probleme haben, denn die Antwort, das wird lückenlos aufgearbeitet, verfängt bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr.“Eine Abschiebung nach Litauen wurde angeordnetDer verdächtige Iraker hatte im August 2022 bei einer Kontrolle durch die Bundespolizei in Braunschweig ein Asylbegehren geäußert. Der Antrag wurde im Dezember 2022 aber abgelehnt und eine Abschiebung nach Litauen angeordnet. Dagegen klagte der Mann – erfolglos. Das Verwaltungsgericht Göttingen wies seine Klage im Februar 2025 zurück. Seit dem 18. März 2025 war die Abschiebeanordnung nach Litauen daraufhin vollstreckbar.Lesen Sie auchAls der 31-Jährige im Juli dieses Jahres eine 20-tägige Ersatzfreiheitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt Hannover verbüßte, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hatte, beantragte die Ausländerbehörde Abschiebehaft. Das Amtsgericht Hannover lehnte diese ab, weil die Landesaufnahmebehörde den Haftgrund der erheblichen Fluchtgefahr nicht ausreichend begründet und dem Betroffenen keine Ausreisefrist gesetzt habe.Wie das Innenministerium in Hannover am Montag mitteilte, hat die Landesaufnahmebehörde den Antrag auf Abschiebungshaft des Tatverdächtigen nicht nur umfassend begründet, sondern auf den richterlichen Hinweis hin auch nachgebessert. Dies habe jedoch nicht zu einer Neubewertung des Sachverhaltes durch das Gericht geführt.gub
Friedland: 16-Jährige von Zug erfasst – „Die Aussage ‚lückenlose Aufarbeitung‘ verfängt bei Bürgern nicht mehr“ - WELT
Warum wurde der Asylbewerber, der in Friedland ein Mädchen vor einen Zug gestoßen haben soll, nicht abgeschoben? Der SPD-Gemeindebürgermeister sieht die Verantwortung auf Landes- und Bundesebene – und kritisiert seine eigene Partei.







