Im Kölner Stadion war es in diesem Moment eigentlich laut genug, um nicht zu sagen: In Müngersdorf steppte gerade der Bär, wenn er nicht sogar Kasatschok tanzte. Doch Jakub Kaminski wollte mehr, noch mehr, viel mehr. Vor dem nächsten Eckstoß für den 1. FC Köln bewegte er aufgebracht die Arme auf und ab, um das Publikum zu noch mehr Ekstase zu animieren, als ob die Mannschaft unbedingt noch größerer Unterstützung bedürfe. Was keineswegs der Fall war, da der FC gegen einen stark angeschlagenen SC Freiburg ohnehin bereits 3:0 in Führung lag.
Die Leute in Köln seien „alle verrückt“, hat der polnische Angreifer später mit einem Lächeln gesagt, „aber ich mag das“.
Jakub Kaminski, 23, hat seine Fußballer-Ausbildung bei Lech Posen erhalten, bevor er vor drei Jahren zum VfL Wolfsburg wechselte. In Wolfsburg hat er die Bundesliga-Karriere so dynamisch und zielstrebig begonnen, wie ihn die 50 000 Zuschauer in Müngersdorf beim 4:1-Sieg gegen Freiburg erlebten, aber nach dem gelungenen Debütjahr setzten wechselvolle und schwierige Zeiten für ihn ein, die nicht untypisch sind für den Werdegang junger Spieler beim VfL. Das hat oft weniger mit dem Spieler als mit dem Verein und dessen rastloser Identitätssuche und den notorischen Standort-Eigenheiten in Wolfsburg zu tun. Unter anderem damit, dass die Leute im Stadion am Mittellandkanal eher nicht alle verrückt sind.







