Der große Saal im Kurhaus in Wiesbaden ist an diesen Tagen ein Stillarbeitsraum. Man sieht Tischreihen mit je drei Sitzplätzen und sechs Gläsern. Nur das Plätschern der Weine im Glas, klackernde Flaschen und Experten, die sich etwas zuflüstern, durchdringen die Stille. 260 Menschen sind hier damit beschäftigt, die größten deutschen Weine zu verkosten, hier sitzen prämierte Sommeliers, dort Weinblogger, daneben bekannte Händler und die Kritiker der großen Weinmagazine – Robert Parker’s Wine Advocate, Decanter, Vinum.
Es ist eine eingeschworene und einflussreiche Szene. Jedes Jahr lädt der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) Ende August nach Wiesbaden zur sogenannten Vorpremiere seiner „Großen Gewächse“, und binnen drei Tagen entscheidet sich hier, wie das Weinjahr wird, welche Winzer 100 Punkte abräumen und welche Weine durchfallen.
Die Bezeichnung Großes Gewächs, kurz GG, steht für das obere Ende der VDP-eigenen Klassifikation. Es sind Weine aus historisch bedeutsamen Einzellagen, darunter einige der größten Weine, die Deutschland zu bieten hat. Die Preise hier ab Hof: meist zwischen 30 und 80 Euro pro Flasche. Es sind in erster Linie Flaschen für Sammler und Liebhaber, für die gehobene Gastronomie und für besondere Momente. Weine, die man lagert.









