Viel Platz war nicht. Der mit einem Absperrband und mehreren Sponsorenwänden geschaffene Gang war kaum zwei Meter breit. Aber das war eigentlich egal, das Gedränge wäre auch sonst groß gewesen. Lena Oberdorf bog um die Ecke, kniff auf dem Weg noch ihre frühere Mitspielerin Svenja Huth in die Seite, dann stellte sie sich vor eine der Stellwände und lächelte erleichtert. Gerade hatte sie mit dem FC Bayern den Supercup gewonnen, diese neue Saison beginnt für den Doublesieger also mit einer Titelverteidigung. Für sie persönlich aber hatte das eine weit größere Dimension als für alle anderen Fußballerinnen, die am Samstag im Karlsruher Wildparkstadion auf dem Rasen standen.

410 Tage hatte Oberdorf gewartet auf dieses erste Pflichtspiel für den FC Bayern, seit sie im vergangenen Sommer nach München gewechselt war. 410 Tage seit Oberdorf einen ganz anderen Start in ihr nächstes Kapitel erleben musste als geplant, weil sie sich im Juli 2024 beim EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich eine Kreuz- und Innenbandverletzung im rechten Knie zugezogen hatte und dadurch nicht nur ihre erste Saison beim FC Bayern verpasste, in der ihr neuer Klub sich erstmals die Meisterschale und den DFB-Pokal zusammen in die Vitrine stellen konnte, sondern auch die Olympischen Spiele im vergangenen und die Europameisterschaft in diesem Sommer. 410 Tage des zähen Wartens – bis zu diesem 4:2 (2:1) gegen ihren früheren Verein VfL Wolfsburg. Was ging nun in ihr vor?