PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaFC Bayern MünchenFall Nick Woltemade„Die Bundesliga muss einen Weg finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben“Veröffentlicht am 29.08.2025Lesedauer: 5 MinutenDFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hält den bevorstehenden Wechsel des Stuttgarters Nick Woltemade zu Newcastle United für eine gute Entscheidung.Nick Woltemade vom VfB Stuttgart wechselt für rund 90 Millionen Euro zu Newcastle United. Der FC Bayern warb vergeblich wochenlang um den Nationalstürmer. Trainer Vincent Kompany sieht in Sachen Transfers eine große Herausforderung für die Bundesliga.Vincent Kompany war bester Laune und reagierte mit einem augenzwinkernden Satz. Auf der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel seines FC Bayern gegen den FC Augsburg am Samstag (18.3o Uhr, Sky) stellte sich Freitagvormittag ein junger Mann höflich und professionell als Praktikant eines Fernsehsenders vor, bevor er seine Frage an den Trainer der Münchner stellte.Kompany ist in Belgien geboren und aufgewachsen, verbrachte viele Jahre als Spieler und Trainer in England. „Was heißt Praktikant?“, fragte der 39-Jährige den jungen Fragesteller daher. Dieser erklärte, es sei etwas Kurzfristiges, für ein halbes Jahr. „Ah, so wie ein Leihspieler ...“, entgegnete Kompany lächelnd und zwinkerte den Reportern vor ihm zu. Gelächter im Pressesaal der Klubzentrale an der Säbener Straße.Montag endet die Transferperiode. Und der deutsche Fußball-Rekordmeister versucht weiterhin, einen Spieler zu leihen, als Topkandidat gilt der 24-jährige Angreifer Nicolas Jackson vom FC Chelsea. Bis vor Kurzem wollten die Bayern Nick Woltemade vom VfB Stuttgart kaufen. Der VfB aber ließ den Nationalstürmer nicht gehen, zumindest nicht für das Geld, das die Bayern boten. Nun wechselt Woltemade aller Voraussicht nach für rund 90 Millionen Euro zu Newcastle United.„Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen“, sagte Bayerns Sportchef Christoph Freund, der neben Kompany auf dem Podium saß. „Ich glaube, es gibt jetzt das Gerücht, dass er wechselt – ich weiß aber nicht, wie weit das ist. Das ist jetzt auch nicht unser Thema.“ Und weiter: „Es sagt aus, dass die Klubs in der Premier League brutale Möglichkeit haben. Nicht nur bei zwei oder drei Vereinen, sondern bei vielen. Newcastle ist ein guter Verein, war aber in den vergangenen Jahren nicht in der obersten Kategorie. Wenn man sieht, wie viele Topspieler aus der Bundesliga in die Premier League gewechselt sind und welche Gelder da fließen – da sieht man, wie viel Geld dort im Umlauf ist. Das ist schon extrem.“ Lesen Sie auchDer 23-jährige Woltemade wollte offensichtlich nicht bis Sommer 2026 warten, um (erst) dann den nächsten Karriereschritt zu machen, sportlich wie finanziell. Nach dieser Saison hätte ein Wechsel nach München klappen können, zumindest hatte FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß das zuletzt hoffnungsvoll durchblicken lassen. Man führe generell Gespräche, „es ist nicht aus den Augen, aus dem Sinn. Es gibt einen Markt, es werden Dinge abgewogen. Am Ende ist es immer auch eine Entscheidung des Spielers“, so Freund am Freitag.Lesen Sie auchAuch Kompany äußerte sich zur finanziellen Power der Premier League. „Es geht natürlich auch ums Geld. Ich bin mit Burnley in die Premier League aufgestiegen. Dadurch haben wir deutlich mehr Fernsehgelder bekommen, von knapp 25 Millionen auf 100 Millionen“, so der Bayern-Trainer. Was die Premier League so attraktiv mache? Kompany antwortete ehrlich: „Geld.“ Und fügte hinzu: „Als Aufsteiger in der Premier League hast du ein Budget, das mit dem der Top acht oder sogar Top sechs in der Bundesliga mithalten kann. Da konkurrierst du als Burnley auf dem Transfermarkt plötzlich mit Frankfurt oder Wolfsburg. Gerade erst hat Sunderland als Aufsteiger einen Spieler von Leverkusen (Granit Xhaka; d. Red.) gekauft. Das ist eine finanzielle Realität. Das kommt von dem, was sich die Premier League über viele Jahre aufgebaut hat, gerade in Bezug auf die TV-Gelder und das internationale Marketing. Ich denke, es ist eine Debatte für Bayern und die gesamte Bundesliga, einen Weg zu finden, um dem gegenüber konkurrenzfähig zu bleiben.“Christoph Freund: „Wir können es nicht kopieren“Freund sieht weiterhin Chancen, Topspieler zu bekommen. „Bayern München ist ein sehr großer, sehr attraktiver Verein. Wir können ihnen national und international sehr interessante Optionen bieten. Die Spieler fühlen sich sehr wohl hier“, so der Sportchef. „Es ist immer die Entscheidung der Spieler, wo sie hingehen. Die Premier League hat auch große Argumente, finanziell spielen sie ein bisschen in einer anderen Liga. Wir als Bayern München sind aber auch sehr stark und sind uns unserer Rolle bewusst.“Wie konkret kann die Bundesliga dagegenhalten? Was ist zu tun? „Wir müssen unseren Weg gehen, können es nicht kopieren. Wir müssen die richtige Mannschaft zusammenstellen und mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, erfolgreich sein“, sagte Freund. „Es gibt immer andere Vereine, die mit den englischen Klubs mithalten können, weil sie gut arbeiten, weil sie clevere Transfers machen, ein gutes Trainerteam zusammenstellen und einen Fußball spielen, der dazu passt. Es muss alles zusammen stimmen, das ist das Schöne im Fußball: Man kann sich durch andere Möglichkeiten das erarbeiten. Das ist unser Ansatz und so wird es auch in Zukunft sein.“Während Freund mit Sportvorstand Max Eberl auf dem Transfermarkt an einer Lösung für die Bayern arbeitet, liegt Kompanys Fokus auf dem Spiel gegen Augsburg. „Ich gehe immer davon aus, dass es für jede Mannschaft gegen Bayern ein Spiel ist, als ob es um einen Titel geht“, sagte der Trainer. Er erwartet folglich eine schwierige Partie. „Das haben wir schon oft gemerkt. Man darf aber nicht unterschätzen, wie hungrig wir sind, wie viel Bock wir auf dieses Spiel haben. Wir haben sehr viel Qualität – aber wollen nicht nur für unsere Qualitäten beurteilt werden. Die Basis ist harte Arbeit, Kampfbereitschaft und Spieler, die bereit sind über die Schmerzgrenze zu gehen. Wir nehmen unsere Basis mit ins Spiel – das ist der Hunger auf Siege, auch in Augsburg.“Es sei nie einfach auswärts in Augsburg. „Das hat seine Gründe“, so Kompany. „Es wird wieder ein interessantes Spiel werden.“Julien Wolff ist Sportredakteur. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen und war auf der Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel.