Silivri, das größte Gefängnis der Türkei, soll nicht mehr Silivri heißen, denn Silivri ist zu einem Synonym für die politische Indienstnahme der Justiz im Land geworden. Die hohen Mauern von Silivri, pardon: dem „Marmara-Gefängnis“, wie es jetzt heißt, sind längst der hässliche Schutzwall für einen Präsidenten, der sich vor so vielen Menschen fürchtet, dass die Haftanstalt aus allen Nähten platzt. Die Namensänderung wird den Imageschaden nicht beheben. Dafür gäbe es geeignetere Mittel, etwa die Freilassung des seit 2017 unter einer Kaskade absurder Vorwürfe inhaftierten Kulturmäzens Osman Kavala. Die Gelegenheit wäre günstig. Kavala, 67, wird am 28. August in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet, für seine „Friedens- und Versöhnungsarbeit in der Region“. Er hat mit seiner nach wie vor aktiven Stiftung „Anadolu Kültür“ Grenzen überwunden, hat ein armenisch-türkisches Jugendsinfonieorchester ebenso gefördert wie Kulturzentren für Kurden.