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m September 1795 ist Immanuel Kants berühmtes Büchlein „Zum ewigen Frieden“ erschienen, gedruckt bei Johann Friedrich Hartknoch in Königsberg. Ewiger Friede? Das klingt wie eine Inschrift am Friedshofseingang, ist aber eine menschheitswichtige Realutopie. Zum 230ten Jubiläum des Werks wäre man schon um einen „endlichen Frieden“ in der Ukraine froh – endlich, nach 1282 Tagen Krieg. Von Friedenstruppen ist bei Kant zwar nicht die Rede, sehr wohl aber davon, dass der Frieden nicht vom Himmel fällt, sondern gestiftet werden muss. Deshalb ist das Wort „Friedenstruppen“, das derzeit so behände gedreht und gewendet wird, ein Sehnsuchtswort – weil es einen Verhandlungsfrieden voraussetzt, der dann von den Friedenstruppen gesichert werden soll.