Immer wieder schüttelt der Angeklagte den Kopf. Mal vergräbt er das Gesicht in den Händen, mal trommelt er mit den Fingern auf der Tischplatte herum. Zwischendrin stößt er verächtlich die Luft aus. Für ihn sind die Vorwürfe gegen ihn haltlos, die vor dem Amtsgericht verhandelt werden. Auch das Gericht wird ihn am Ende nicht verurteilen.

Der 62-jährige Angeklagte ist gelernter Krankenpfleger. Während einer Nachtschicht im Münchner Klinikum rechts der Isar soll er einer Kollegin an die Brüste gefasst haben, die Anklage lautet daher auf sexuelle Belästigung. Der Beschuldigte aber will die Vorwürfe nicht so stehen lassen. „Ich sage aus“, erklärt er zu Beginn der Verhandlung. Er habe mit der Kollegin, einer heute 23-Jährigen, häufig zusammengearbeitet und ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu ihr gehabt.

Während der gemeinsamen Schicht im April vergangenen Jahres hätten sie gemeinsam herumgealbert. Währenddessen habe er sie in die Seite gepiekt und kurz gekitzelt. Die Kollegin habe das lustig gefunden und gelacht – dementsprechend überrascht sei er gewesen, als er kurz darauf von den Vorwürfen gegen ihn hörte. Diese hatten für den 62-Jährigen schwerwiegende Folgen, sein Arbeitgeber kündigte ihm aufgrund der Anschuldigungen.