PfadnavigationHomeRegionalesHamburg10 Jahre Hanseatic Help„Da waren Autoschlangen, man konnte es nicht fassen“Veröffentlicht am 26.08.2025Lesedauer: 4 MinutenSortieren und dann wieder weiterverteilen: Auch heute noch kommen Kleiderspenden anQuelle: Pressebild.de/Bertold FabriciusSeit August 2015 hilft Hanseatic Help Schutz suchenden Menschen in Hamburg. Was in den Messehallen als schnelle Idee begann, ist heute ein eigenständiger Betrieb, organisiert und betreut vor allem von den etwa 150 Ehrenamtlichen.In diesen Tagen feiert der gemeinnützige Hamburger Verein Hanseatic Help sein zehnjähriges Bestehen. Was in den Messehallen als schnelle Idee begann, ist heute ein über die Grenzen von Hamburg hinaus bekanntes Hilfsprojekt. „Im August 2015 kamen viele Schutz suchende Menschen vor allem aus Syrien nach Hamburg“, erinnert sich Sina Klimach, die seit 2020 für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins verantwortlich ist. „Die Menschen wurden erst mal behelfsmäßig in Hamburg in der Messehalle untergebracht und hatten zum Teil nur das dabei, was sie gerade am Leib trugen. Dementsprechend war die Not groß.“Lesen Sie auchDurch einen Aufruf im „Hamburger Abendblatt“ seien damals viele Hamburgerinnen und Hamburger auf die Bedarfe aufmerksam geworden. Helferinnen und Helfer meldeten sich, wie Erika Heindorf, die Ehrenamtliche seit der ersten Stunde ist. „Da waren Autoschlangen um den Dammtorbahnhof, man konnte es nicht fassen.“ Helferinnen wie Heindorf brachten Struktur in das Chaos der unzähligen Kleiderspenden. „Die Klamotten stapelten sich in der Ecke, es waren Berge. Wir haben sie sortiert, gefaltet, in Kartons verpackt und dann auf dem Fußboden abgestellt.“Heute ist die zentrale Anlaufstelle eine Lagerhalle in der Großen Elbstraße nahe dem Kreuzfahrtterminal. Das Projekt ist mittlerweile ein eigenständiger Betrieb, organisiert und betreut vor allem von den etwa 150 Ehrenamtlichen. Zusätzlich sind in den vergangenen Jahren drei Stores entstanden, in denen sich Privatpersonen mit geringem Einkommen neu einkleiden lassen können. „Hanseatic Help leistet schnelle und pragmatische Unterstützung für alle Menschen, die Nothilfe brauchen, unabhängig von ihrer politischen Einstellung, von ihrer Herkunft, von ihrer Religion“, fasst Klimach das Angebot zusammen. Das Kerngeschäft seien nach wie vor die Kleiderspenden. Die Zielgruppe, die einst aus Geflüchteten bestand, habe sich deutlich erweitert.Es gehe um alle Menschen, die Unterstützung in Form von Kleiderspenden benötigen. „Wir arbeiten in Hamburg mit einem großen Netzwerk von Organisationen zusammen“, sagt Klimach. „Bei uns bestellen 300 andere gemeinnützige Organisationen: aus der Obdachlosenhilfe, nach wie vor Geflüchtetenunterkünfte, darunter auch Erstaufnahmestellen, aber auch Frauenhäuser, Beratungsstellen oder die Seemannsmission.“ Viele soziale Einrichtungen greifen auf das kostenfreie Angebot zurück. Der Kontakt und die Bestellung laufen über die Website. Gepackt wird wie in einem Logistikunternehmen, von Ehrenamtlichen mit einem professionellen Blick für die unterschiedlichen Bedarfe.Malte Wittmann ist beim Verein zuständig für die Freiwilligenkoordination. „Es braucht diesen Job, weil wir sehr, sehr viele Anfragen bekommen von Leuten, die ehrenamtlich helfen wollen“, erklärt Wittmann. Der Verein macht auf vielfältige Weise Angebote für ein Ehrenamt. Auch Firmen melden sich als Teamevent für die sogenannten Social Days an, die der Verein mehrmals im Jahr organisiert. „Wir machen dann mit den Firmen eine große Hallenrunde, erzählen ihnen, welche Arbeit wir machen und warum das auch wichtig für Hamburg ist“, sagt Wittmann und ergänzt, dass sich darüber gelegentlich ein weiterführendes Ehrenamt entwickle. Aber auch Einzelhelfer interessieren sich, können mit einer kurzen Einweisung sofort anfangen und bleiben mit einer gewissen Regelmäßigkeit sogar im Team.Claudia Engelmann ist seit zehn Jahren im Team und sieht das Ehrenamt als eine Abwechslung zur Schreibtischarbeit. „Wenn man hier ist, dann sieht man tatsächlich, was man physisch gemacht hat, also von A nach B geschafft hat.“ Sie hatte damals den Aufruf im „Hamburger Abendblatt“ gelesen, die Tätigkeit passte gut in ihre berufliche Situation. „Zum anderen komme ich aus einer Gegend, wo man in der Presse viel darüber gelesen hat, dass es Proteste gegen Geflüchtete gibt“, ergänzt Engelmann ihre Hauptmotivation. „Diese negativen Schlagzeilen haben mir schon zu schaffen gemacht.“ Sie wollte etwas Sinnvolles tun und ihren Teil zur Integrationshilfe beitragen.Klimach ist überzeugt: „Wenn Du an Hanseatic Help spendest, unterstützt Du ganz Hamburg.“ Diese Identifikation trägt der Verein im Namen. Darüber hinaus möchte der Verein das Ehrenamt würdigen und die gemeinnützige Tätigkeit in den Fokus rücken. Zum Jubiläum lädt Hanseatic Help am 20. September zu einer großen Feier an seinem Standort in der Großen Elbstraße ein. Geladen sind prominente Unterstützerinnen und Unterstützer, es soll Livemusik und kreative Angebote wie Upcycling und Siebdruck geben. Zusätzlich ist ein Podcast entstanden, der von Ehrenamtlichen produziert wird. Unter dem Titel „Mythos Messehallen“ geben Unterstützerinnen und Unterstützer Einblicke in die Anfänge und die Entwicklung. „Das macht ganz viel Hoffnung zu erfahren, was einfach geht, wenn Leute an einem Strang ziehen und wenn eine kollektive Bereitschaft da ist, was zu ändern.“jlau
10 Jahre Hanseatic Help: „Da waren Autoschlangen, man konnte es nicht fassen“ - WELT
Seit August 2015 hilft Hanseatic Help Schutz suchenden Menschen in Hamburg. Was in den Messehallen als schnelle Idee begann, ist heute ein eigenständiger Betrieb, organisiert und betreut vor allem von den etwa 150 Ehrenamtlichen.






