Wer an die südfranzösische Camargue denkt, hat oft ein klares Bild vor Augen: Weite Wasserflächen, Salzwiesen und mittendrin hunderte Flamingos, die auf langen Beinen durch das seichte Wasser staksen. Doch diese Vögel verhalten sich sehr unterschiedlich. Einige bleiben ihr ganzes Leben in der Region – man nennt sie Standvögel. Andere packt jedes Jahr das Fernweh und sie ziehen nach Spanien, Italien oder sogar Nordafrika, um dort zu überwintern. Ein internationales Forschungsteam hat nun in einer über 40 Jahre laufenden Langzeitbeobachtung herausgefunden, dass die Entscheidung für oder gegen das Reisen Folgen hat – nicht nur für den Moment, sondern für die gesamte Lebensspanne.

Zunächst scheint das Leben der Standvögel einfacher. Sie müssen die gefährliche und kräftezehrende Reise nicht antreten und haben so in ihren jungen Erwachsenenjahren klare Vorteile: Ihre Sterblichkeit ist geringer und sie pflanzen sich häufiger fort als die Zugvögel. Doch die Rechnung für dieses komfortable Leben folgt im Alter: Wie das Team nun in der Fachzeitschrift PNAS berichtet, werden die sesshaften Flamingos offenbar schneller alt.

Aufbrechen oder Bleiben? Rosaflamingo in der Camargue.

(Foto: Claude Gross)