Keiner, kein Einziger, legte ein Geständnis ab. Keiner, kein Einziger, zeigte Reue. Der hessische Generalstaatswalt Fritz Bauer wartete vergeblich auf ein menschliches Wort von einem der Angeklagten im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess. Geständnis? Reue? „Die Welt würde aufatmen“, sagte Bauer, und „die Luft würde gereinigt“. An der Wand hinter der Richterbank hing ein Lageplan der Vernichtungsfabrik Auschwitz. 1,2 Millionen Menschen waren dort vergast, vergiftet, erschossen oder totgeprügelt worden. Das letzte Wort eines der Angeklagten, des bestialischen Auschwitz-Folterers Wilhelm Friedrich Boger, SS-Oberscharführer, aber lautete so: „Ich habe nicht totgeschlagen, ich habe Befehle ausgeführt.“ Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, ein Überlebender des Warschauer Ghettos, schrieb seinerzeit: „Wie ließe sich Auschwitz in zwei Worte zusammenfassen? Doch wohl nur: deutscher Mord.“
Prantls Blick: Der Auschwitz-Prozess in Frankfurt vor 60 Jahren und seine Folgen
Vor sechzig Jahren fällte das Landgericht Frankfurt die Urteile im ersten Auschwitz-Prozess: Blicke ins Labyrinth der Schuld. An Auschwitz scheitert jede Gewissheit.








