Ein Lippenstift kann im Überlebenskampf hilfreich sein. Genauso wie blank geputzte Schuhe. Die äußere Erscheinung ist ein Wert, an dem Menschen festhalten, auch unter schlimmsten Bedingungen oder gerade dann. Als letzter Rest von Selbstachtung, mit der man wiederum eher die Achtung anderer gewinnen kann.
Solche Geschichten sind es, denen sich die polnische Historikerin Karolina Sulej in ihrem Buch „Persönliche Dinge“ widmet. Es bekam in der deutschen Übersetzung von Bernhard Hartmann den Untertitel „Was Kleidung aus NS-Lagern uns heute erzählen kann“. Im Polnischen lautete er schlicht „Über Menschen und Dinge in Kriegszeiten“. Tatsächlich widmet sich Sulej sehr eingehend der Kleidung von Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern sowie den Uniformen der SS-Leute.
Die ewige Jagd nach etwas Wärmendem im Lager
Sie will anhand der Textilien klarer machen, wie das alltägliche Überleben im Konzentrationslager aussah und auch welche Bedeutung den verschiedenen Kleidungsstücken zukam. In den Lagern gab es viel Individualität, stellt Sulej fest. Eines ihrer Hauptanliegen ist es klarzustellen, dass längst nicht alle Häftlinge den berühmten gestreiften Häftlingsanzug trugen. Den Anzug gab es demnach nur zu bestimmten Zeiten, in bestimmten Lagern, für bestimmte Gruppen. Und er war auch nicht genormt, er sah immer wieder anders aus, abhängig vom – oft lumpigen – Material, das gerade da war.






