Tief in den Eingeweiden des Internets befinden sich Giftschränke, in die der große Algorithmus die unzähligen Zeitvertrödelkurzvideos einsortiert. In der Abteilung „Liebe und Partnerschaft“, Unterkategorie „Dating“, legt diese digitale Wesenheit, ja, hier wird in Bildern gesprochen, kurze Clips ab, in denen sich Frauen und Männer beschweren, wie blöd das Liebeswerben in Zeiten von Tinder, Social Media und Smartphones sei. Frauen klagen in diesen Videos, es gebe weit und breit keine brauchbaren Männer, und führen aus, dass ein brauchbarer Mann größer als 1,85 Meter, gutaussehend und durchtrainiert sein müsse sowie ein hohes sechsstelliges Jahreseinkommen erwirtschaften sollte. Die Männer jaulen wiederum über unerfüllbare Ansprüche der Frauen und erklären, dass Frauen irre attraktiv sein müssen und nicht schon mit zig Männern Sex gehabt haben sollten, um für sie infrage zu kommen.

Gewiss sind diese Videos nicht repräsentativ für die Partnersuche an und für sich, da sie fast alle aus den USA stammen, wo eigene Datingregeln gelten. Wie aber hat das Internet Beziehungen und die Partnersuche weltweit verändert? Diese Frage versuchen Psychologen um Marta Kowal von der Universität Breslau, Polen, im Fachjournal Telematics and Informatics zu beantworten. Ihr Fazit nach Analyse von Daten aus 50 Ländern: Paare, die sich online gefunden haben, sind im Schnitt etwas weniger zufrieden mit ihrer Beziehung als solche, die sich im analogen Leben verliebt haben. Das liege vermutlich an den Besonderheiten der digitalen Partnersuche, so die Psychologen. Und da geben die Videoclips doch einen kleinen Hinweis, was das Problem sein könnte.