PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungMedikamente in der DrogerieZerschlagt endlich die Medizin-KartelleVon Justus EnningaVeröffentlicht am 29.08.2025Lesedauer: 3 MinutenFührt bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kein Weg vorbei: ApothekeQuelle: picture alliance/Ulrich BaumgartenDurch die Digitalisierung will die Drogeriekette dm zum Anbieter von günstiger Medizin in ganz Deutschland werden – Ärzte und Apotheker versetzt diese Aussicht in Panik. Dabei gehören Disruptoren gefeiert – es braucht mehr Wettbewerb, nicht weniger.Ein Gespenst geht um in der deutschen Gesundheitswirtschaft – das Gespenst des Kapitalismus. Und es spukt ausgerechnet in den Regalen von dm. Denn die Drogeriekette weitet ihr telemedizinisches Angebot aus und bietet seit einigen Tagen Hautanalysen, Bluttests und Augenchecks an. Bald sollen auch Schmerzmittel wie Aspirin per Post verschickt werden. Durch Kooperationen mit Start-ups, KI-Einsatz und digitale Beratung will dm zum Anbieter von günstiger Medizin in ganz Deutschland werden. Ärzte und Apotheker versetzt diese Aussicht in Panik.„Augengesundheit gehört in fachärztliche Hand“, klagt der Vorstand des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg bezweifelt, dass Patienten in der Lage sind, gemessene Werte richtig einzuschätzen. Richtige Kompetenz liege bei den Apothekern. Und das Leitblatt der deutschen Apothekerschaft stöhnt: „Noch mehr Telemedizin!“ Doch statt kritisiert, gehören Wettbewerbstreiber wie dm gefeiert – es braucht mehr Wettbewerb um die Gesundheit der Deutschen. Nicht weniger.Lesen Sie auchVon sich selbst malen Apotheker- und Ärzte-Vertreter gerne das Bild vom selbstlosen Weißkittel, der einzig zum Wohl des Patienten handelt. Konkurrenten wie dm dagegen seien nur auf schnellen Gewinn aus. Hier die heldenhaften Heilberufe, dort die „Krämerseele“ der Händler. Geht es aber um Steuersenkungen und Bürokratieabbau, sehen sie sich als Unternehmer im freien Markt. Die Wahrheit ist für sie aber unbequem. Sie sind vom Staat beschützte Unternehmer – auf Kosten der Bürger.Das Fremdbesitzverbot handhabt, dass Apotheken nur von natürlichen Personen, nicht von juristischen Personen, besessen werden dürfen. Das Mehrbesitzverbot verbietet Bürgern, mehr als vier Apotheken zu besitzen. Harte Berufszugangsvoraussetzungen verhindern, dass Menschen schneller Ärzte und Apotheker werden. Der Gesetzgeber setzt sich aktiv dafür ein, dass Arztpraxen nicht durch Finanzinvestoren unterstützt werden können. Und § 52 des Arzneimittelgesetzes geht sogar so weit, dass Aspirin nicht im Automaten verkauft werden darf.Die Begründung ist immer die Patientensicherheit: Nur so ließe sich der Patient vor Heuschrecken-Unternehmern schützen. Das Ergebnis ist ein veränderungsfeindliches, staatlich einbetoniertes Gesundheitskartellsystem, von dem viele Kartellisten profitieren, das den Verfall des Gesundheitsstandorts Deutschland aber nicht aufhält: Seit 2013 ist jede fünfte Apotheke verschwunden, heute gibt es nur noch rund 17.000 Apotheken – pro 100.000 Einwohner deutlich unter dem EU-Schnitt. In vielen ländlichen Regionen sinkt die Ärztedichte weiter. Die Unterschiede zu den Städten sind enorm: Bis 2035 werden in Deutschland rund 11.000 Hausärzte fehlen – vor allem auf dem Land.Lesen Sie auchDeshalb sollten wir Unternehmen wie dm dankbar sein – und die Politik auffordern, endlich zu deregulieren: Denn viele sinnvolle Pläne der Drogeriekette – wie der Versand von Medikamenten oder In-house-Apotheken im Drogeriemarkt – sind bis heute schlicht nicht erlaubt.Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es besser geht. In den USA sind CVS und Walgreens längst Gesundheitszentren mit Medikamenten, Tests und Impfungen unter einem Dach. Skandinavische Apothekenketten kombinieren digitale Beratung mit Präsenzfilialen. Überall: mehr Versorgung, nicht weniger. Schließlich gehört Gesundheit ins Regal, nicht in die Hände von Kartellen.Justus Enninga ist Ökonom, Journalist und Chief of Staff von Mathias Döpfner, CEO der Axel Springer SE
Medikamente in der Drogerie: Zerschlagt endlich die Medizin-Kartelle - WELT
Durch die Digitalisierung will die Drogeriekette dm zum Anbieter von günstiger Medizin in ganz Deutschland werden – Ärzte und Apotheker versetzt diese Aussicht in Panik. Dabei gehören Disruptoren gefeiert – es braucht mehr Wettbewerb, nicht weniger.






