PfadnavigationHomePanoramaBerlinAus für die Berliner „Mohrenstraße“ – Grüne sehen „klares Signal für Respekt und Vielfalt“Veröffentlicht am 23.08.2025Lesedauer: 3 MinutenAus der Mohrenstraße in Berlin kann nun doch die Anton-Wilhelm-Amo-Straße werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) in einem Eilverfahren entschieden. Stunden zuvor hatte das Verwaltungsgericht Berlin die Umbenennung noch vorerst gestoppt.Ende eines jahrelangen Streits: Die „Mohrenstraße“ im Berliner Bezirk Mitte ist am Samstag offiziell umbenannt worden. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht den Vorgang auf Anwohnerinitiative noch ein letztes Mal verzögert.Nach langen juristischen Streitigkeiten ist die Mohrenstraße im Berliner Bezirk Mitte offiziell umbenannt worden. Bei einem Festakt wurden die Straßenschilder symbolisch enthüllt und die Straße damit offiziell umbenannt. Der bisherige Name wurde als „rassistisch“ kritisiert, Aktivisten hatten sich jahrelang für eine Umbenennung eingesetzt. Seit Samstag (16 Uhr) ist die Straße nun nach dem in Afrika geborenen Gelehrten Anton Wilhelm Amo aus dem 18. Jahrhundert benannt. Aus Sicht der Grünen ist die Umbenennung ein Ergebnis „beharrlicher demokratischer Arbeit“. „Für viele Schwarze Menschen war dieser Straßenname eine tägliche Erinnerung an Ausgrenzung – jetzt setzen wir ein klares Signal für Respekt und Vielfalt“, erklärte Tuba Bozkurt, Sprecherin für Antidiskriminierungspolitik der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Der Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tahir Della, zeigte sich erleichtert über die neue Namensgebung. Schwarze Menschen hätten immer deutlich gemacht, dass dieser Begriff bei ihnen rassistisch ankomme, sagte Della dem RBB-Inforadio.Streit bis zur letzten MinuteMöglich wurde die Umbenennung durch eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom Freitagabend – und zwar gegen den Eintrag einer Bürgerinitiative.Die Bezirksverordnetenversammlung hatte die Umbenennung bereits im August 2020 beschlossen. Begründet wurde dies damit, dass der Name Mohrenstraße diskriminierend sei und dem Ansehen Berlins schade. Der neue Name Anton-Wilhelm-Amo-Straße ehrt einen Afrikaner, der um 1703 im heutigen Ghana in Westafrika geboren wurde und als Kind nach Deutschland verschleppt wurde. Er war hierzulande der erste bekannte Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft, er lehrte an den Universitäten Wittenberg, Halle und Jena.Lesen Sie auchDas Verwaltungsgericht hatte am Freitag zunächst einem Eilantrag der Bürgerinitiative Pro Mohrenstraße gegen die für Samstag geplante Umbenennung in Anton-Wilhelm-Amo-Straße stattgegeben. Damit durfte die Berliner Mohrenstraße vorerst doch nicht umbenannt werden.Lesen Sie auchZur Begründung verwies das Gericht auf eine Klage gegen das Vorgehen des Berliner Bezirkes Mitte, über die noch nicht entschieden sei. Das habe aufschiebende Wirkung – bis zum Abschluss des Klageverfahrens kann die Straße also keinen neuen Namen bekommen. Auch bestehe keine besondere Dringlichkeit, die Straße umzubenennen, so das Gericht. Zuerst hatte die „Berliner Zeitung“ über die Entscheidung berichtet.Das Oberverwaltungsgericht wiederum begründete seine darauffolgende Ablehnung der Eilanträge unter anderem mit deren niedriger Erfolgswahrscheinlichkeit. Es sei „nicht ersichtlich, dass das Vorbringen in den Klageverfahren an der Beurteilung der Rechtmäßigkeit der Straßenumbenennung etwas ändern werde“, schrieb das Gericht. Zudem seien die Anwohner, die gegen die Umbenennung geklagt hatte, „in keinem ihrer Grundrechte unmittelbar betroffen“. Anton Wilhelm Amo war der erste bekannte Philosoph afrikanischer Herkunft in DeutschlandDer Umbenennung waren eine Rassismusdebatte und ein Rechtsstreit vorausgegangen – der Begriff Mohr wird von vielen Menschen als rassistisch und diskriminierend wahrgenommen. Aktivisten hatten in den vergangenen Jahren die Schilder an einigen Stellen immer wieder per Hand in „Möhrenstraße“ umgewandelt.Lesen Sie auchGegen die 2020 von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossene Umbenennung hatte es bereits zahlreiche Klagen gegeben. Zuletzt hatte Anfang Juli das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine entsprechende Beschwerde abgewiesen. Betroffen von der Umbenennung der Straße sind neben vielen Anwohnern, Gewerbetreibenden und Unternehmen auch prominente Anlieger wie das Bundesjustizministerium und das Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität.Organisiert wurde die Umbenennung am Samstag vom Verein „Decolonize Berlin“, der sich mit den Folgen und Spuren von Kolonialismus auseinandersetzt. Er spricht von einem „historischen Schritt gegen Rassismus und koloniale Kontinuitäten im öffentlichen Raum“, der mit Musik und Redebeiträgen gefeiert werden sollte.Erste Schilder hingen bereits an einigen Ecken. Geplant war, dass die alten Straßenschilder mit dem Namen „Mohrenstraße“ für sechs Monate unterhalb des neuen Namens rot durchgestrichen sichtbar bleiben, um die Orientierung weiterhin zu gewährleisten.dpa/epd/lay/saha/krott
Berlin, Mohrenstraße – Bürgerinitiative will Umbenennung in letzter Minute stoppen - WELT
Ende eines jahrelangen Streits: Die „Mohrenstraße“ im Berliner Bezirk Mitte ist am Samstag offiziell umbenannt worden. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht den Vorgang auf Anwohnerinitiative noch ein letztes Mal verzögert.












