PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungGenderspracheWer kennt sie nicht, die „Nationalsozialist*innen“?Veröffentlicht am 22.08.2025Lesedauer: 2 MinutenJacques Schuster, Chefredakteur WELT AM SONNTAGQuelle: Marlene Gawrisch/WELTBerlins Brücke-Museum demonstriert, welche Absurditäten geschlechtergerechte Sprache hervorbringen kann. Zum Beispiel bei der Rede von der „Machtübernahme der Nationalsozialist*innen“ im Jahr 1933.Es nervt – dieses ewige Kita-Tantenhafte An-die-Hand-Nehmen Erwachsener, um ihnen säuselnd, aber bestimmt mitzuteilen, was sie zu denken haben und was sie sind, sollten sie nicht folgen, nämlich reaktionäre weiße Grufties, deren Zeit abgelaufen ist. Vor allem im Kunstbetrieb erlebt man es.Der Autor dieser Zeilen besuchte kürzlich eine kleine Ausstellung über eine hierzulande vergessene südafrikanisch-deutsch-jüdische Künstlerin, die Expressionistin Irma Stern. Sie wurde 1933 vertrieben. In den Worten des Berliner Brücke-Museums: „Mit der Machtübernahme der Nationalsozialist*innen endete Sterns Karriere in Deutschland abrupt.“Der Autor dieser Zeilen ist promovierter Zeithistoriker, doch selbst nach dem Zermartern seines Gedächtnisses ist ihm keine Nationalsozialistin eingefallen, die 1933 irgendetwas zu sagen gehabt hätte. Er weiß: Nicht nur Männer, sondern auch Frauen haben Hitler kreischend zugejubelt. Aber muss der Genderstern deshalb wie ein Morgenstern die Geschichte zurechtprügeln?Lesen Sie auchEs kommt noch schlimmer: Stern porträtierte Schwarze! Sie tat es genauso, wie sie Weiße zeichnete – mit einem tiefen Blick in das Innere ihrer Porträtierten. Das geht gar nicht! Wieder das Brücke-Museum: Als weiße Künstlerin „profitierte sie von den rassistischen Gesellschaftsstrukturen des Kolonialismus und des Apartheidsystems und inszenierte sich als ‚Kennerin‘ Schwarzer Kulturen.“ Merkwürdig: Gerade das schwarze Südafrika feiert Stern, die 1966 starb, immer wieder in Ausstellungen.Die Kultur-Taliban*innen hierzulande kümmert’s wenig. In ihrem volkspädagogischen Furor merken sie gar nicht, wie sehr ihre Belehrungen an DDR-Ausstellungen erinnern.
Gendersprache: Wer kennt sie nicht, die „Nationalsozialist*innen“? - WELT
Berlins Brücke-Museum demonstriert, welche Absurditäten geschlechtergerechte Sprache hervorbringen kann. Zum Beispiel bei der Rede von der „Machtübernahme der Nationalsozialist*innen“ im Jahr 1933.






