Seit einigen Wochen darf man behaupten, dass sich der junge Angreifer Nelson Weiper auf der internationalen Bühne auskennt. Vermutlich ist die Behauptung auch andersherum korrekt, es ist davon auszugehen, dass die internationale Bühne inzwischen auch Nelson Weiper kennt. Er war ja nicht zu übersehen bei der Europameisterschaft der U21-Junioren in diesem Sommer, aus mehreren Gründen. Weiper misst auffällige 1,92 Meter, er erzielte für die DFB-Auswahl vier Treffer, und er spielte an der Seite eines noch auffälligeren Kollegen, der sechs Treffer erzielte und erst nach 198 Zentimetern mit dem Wachsen aufgehört hat. Nelson Weiper ist als Reservist und Joker in dieses Turnier hineingegangen, herausgekommen ist er als Stammspieler und Sturmpartner von Nick Woltemade. In Halbfinale und Finale bildeten die beiden den deutschen Zwillingstürmesturm und erfuhren Aufmerksamkeit und Anerkennung.Die Geschichte von Nelson Weiper, 20, hat sich dann etwas verloren, jedenfalls im Vergleich zu der Geschichte, die es rund um seinen Sturmpartner Woltemade zu erzählen gab. Der Stuttgarter wurde so laut- und reichweitenstark vom FC Bayern umworben, dass das regionale Rascheln, das sich parallel dazu in Mainz entwickelte, unterhalb der Wahrnehmungsgrenze blieb. Aber ausgerechnet jetzt, da Weiper auf die internationale Bühne zurückkehren könnte, ist er seinerseits in eine kuriose Transfergeschichte verwickelt. Es ist, wie man vielleicht sagen könnte, eine umgekehrte Woltemade-Geschichte.MeinungTorhüter-Rekord:Schlechte Nachricht für Manuel NeuerWie man weiß, wollte und will der FC Bayern den Spieler Woltemade dringend haben, der Spieler Woltemade würde auch gerne nach München überlaufen, aber der VfB Stuttgart hat im Zuge der Notwehrmaßnahmen eine so hohe Ablösesumme in den Raum gerufen, dass der Transfer mit an Sicherheit grenzender Höchstwahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt ist. Und bei Weiper? Es ist nicht überliefert, dass er dringend für einen anderen Verein spielen will, es war bisher auch kein interessierter Verein bekannt. Und dass die Mainzer ihren Stürmer, dessen Vertrag im Sommer 2026 endet, unbedingt behalten wollen? Kann sein. Zu ihren eigenen Bedingungen vielleicht. Aber so genau weiß man das nicht.Jedenfalls saß Weiper nicht im Flugzeug, als die Delegation des FSV Mainz 05 am Mittwoch nach Norwegen flog, um am Donnerstag das Hinspiel der Conference-League-Playoffs bei jenem Traditionsklub zu bestreiten, der offiziell immer noch Rosenborg Trondheim heißt, obwohl Franz Beckenbauer ihn einst Rosenheim Trondborg nannte. Während die Mitspieler also die internationale Bühne besteigen, übt Weiper zu Hause mit dem Mainzer Regionalligateam, die Klubbosse haben ihn überraschend aus dem Profikader gestrichen – ein weiteres mysteriöses Kapitel vom Transfermarkt, dessen Verrücktheiten inzwischen auch Mainz 05 erreicht haben.Vier Tore hat Nelson Weiper bei der Europameisterschaft der U21 für Deutschland erzielt – hier im Finale gegen England. Gerrit van Keulen/ANP/ImagoDabei hätte das wieder eine wunderbare, allen anderen Klubs zur Nachahmung empfohlene Mainzer Story werden können: von einem auf Familie getrimmten Profibetrieb, der nach neun Jahren Pause ins europäische Geschäft zurückkehrt und überall für seine schlauen Transfers bekannt ist. Und dieser Transfer hätte eben ein besonders schlauer sein können: Mainz verkauft den Nationalstürmer Jonathan Burkardt für über 20 Millionen Euro nach Frankfurt, und sein Nachfolger, der kommende Nationalspieler Nelson Weiper, kostet null Euro, weil er schon seit seinem siebten Lebensjahr für Mainz spielt. Aber so wird es nun wahrscheinlich nicht kommen.Weiper hat offenbar der Verdacht beschlichen, dass sein Trainer nicht rasend viel mit ihm anzufangen weißTatsächlich ist es auch diese persönliche Note, die im Moment auf beiden Seiten Irritationen hervorruft. Die Mainzer geben sich enttäuscht, weil sie ihrem Stürmer und dessen Partei eine Hinhaltetaktik unterstellen; er unterschreibe nur deshalb keinen neuen Vertrag, um 2026 ablösefrei gehen zu können (weshalb sie ihn nicht mehr einsetzen, wenn er nicht unterschreibt). Die Weiper-Partei hingegen wundert sich über den rüden Umgang des Klubs mit einem selbst ausgebildeten Spieler und beklagt nicht nur die überfallartige Ausbootung aus dem Kader, sondern ebenfalls eine Hinhaltetaktik; der Klub wolle die Conference-League-Playoffs abwarten, um im Falle der Qualifikation mit frischem Geld einen weiteren Stürmer zu verpflichten, zusätzlich zum bereits verpflichteten Zehn-Millionen-Mann Benedikt Hollerbach von Union Berlin.Dies, immerhin, scheint der sportliche Kern des Zerwürfnisses zu sein: Nach den Erfahrungen der vergangenen Saison hat den ehrgeizigen Weiper offenbar der Verdacht beschlichen, dass Trainer Bo Henriksen nicht rasend viel mit ihm anfangen kann. So würde er wohl nur einen neuen Vertrag unterschreiben, wenn er auch die Spielzeit bekommt, die er aus seiner Sicht verdient. Und natürlich, wenn er auch das verdient, was er aus seiner Sicht verdient.Kaum etwas deutet derzeit darauf hin, dass das, was vermeintlich zusammengehört (= Mainz 05 und Nelson Weiper), noch länger zusammenbleibt. Die Konkurrenz verfolgt diesen Familienstreit mit großer Neugier, Gerüchten zufolge ist sogar ein erster Interessent aufgetaucht: der Klub, für den Nick Woltemade spielt. Beim VfB Stuttgart wissen sie, dass Weiper Woltemade eines Tages ersetzen oder aber sofort mit ihm gemeinsam spielen könnte.
Nelson Weiper und der FSV Mainz 05 stehen vor der Trennung
Zwischen Nelson Weiper und Mainz 05 bahnt sich eine überraschende Trennung an.










