Als Bücher noch die Lösung von Welt- und Lebensrätseln versprachen, war der Nimbus der Intellektualität ungebrochen. Opportunistisch oder heroisch, als Diener der Mächtigen oder im überzeugungsstarken Widerstand – diese Optionen wurden vielfach durchgespielt. Und jeder Streit um den Verrat der Intellektuellen bestätigte ihre Relevanz. Im Zeitalter des Postfaktischen scheint indessen Wahrheit zur rhetorischen Floskel zu verkommen oder lediglich für die eigene Auffassung in Anspruch genommen zu werden („truth social“). Die Intellektuellen bewegen sich in Rückzugsgefechten, während der prosaische Faktencheck zum TÜV des Sagbaren wird. Über Wahrheit zu streiten oder Ungewissheit zu ertragen, gilt als Hindernis für den zupackenden Problemlöser.