Als Beamte der Polizei Perlach vehement an die Türe von Claudia L. (Name geändert) hämmerten, klingelten und sich als Polizisten zu erkennen gaben, da wusste die 65-Jährige nicht mehr, wer nun „die echte Polizei“ war: Die vor ihrer Wohnung oder der Oberkommissar, den sie gerade am Telefon hatte. Zumindest konnten die echten Polizisten dann gerade noch verhindern, dass die Rentnerin einer Betrügerbande weitere 45 000 Euro übergab. 110 000 Euro hatten die Männer zu diesem Zeitpunkt der Seniorin bereits abgenommen. Und einer der Betrüger soll Massoud B. sein. Aber der versichert vor dem Amtsgericht, völlig unschuldig in diese Geschichte hineingeschlittert zu sein.Es war ein Abend im Februar dieses Jahres, als bei Claudia L. das Telefon klingelte. Sie sei da schon etwas müde „und nicht mehr ganz fit“ gewesen, erzählt sie vor dem Schöffengericht. Ein Herr Ludwig vom Einbruchsdezernat meldete sich und teilte ihr mit, dass in ihrem Viertel in Perlach eine Einbrecherbande unterwegs sei. Der Polizei sei ein Zettel mit Namen von potenziellen Opfern in die Hände gefallen, darunter auch ihrer. Sie müsse nun Geld und Schmuck zusammensuchen, das werde von der Polizei abgeholt und sichergestellt.„Ich habe heiße Diskussionen mit diesem Herrn Ludwig am Telefon geführt“, berichtet Claudia L. Sie habe anschließend auch „ein schlechtes Bauchgefühl“ gehabt und die 110 gewählt. Es kam auch eine echte Polizeistreife und nahm eine Anzeige wegen versuchten Betrugs auf. Aber tags darauf war wieder Herr Ludwig am Telefon und von diesem Tag an wurde sie „in ein regelrechtes Spinnennetz“ eingesponnen, wie eine Kripobeamtin später erklärte. Die 65-Jährige wurde täglich von bis zu drei Personen der vermeintlichen Polizei angerufen, es wurde ihr eingeschärft, niemanden etwas zu erzählen, das Haus nicht zu verlassen, sich mit niemandem zu treffen und auch andere Personen nicht in ihre Wohnung zu lassen.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.So riefen täglich Oberkommissar Ludwig, sein Kollege Herr Siegmund sowie deren Chef Herr Friedrich an. Einer soll immer nett gewesen sein und sich nach ihrem Befinden erkundigt haben, der andere spielte die Rolle des Bösen: „Herr Ludwig wurde schon leicht aggressiv“, erzählt Claudia L. Das war, nachdem die Frau an der Haustüre einem der Betrüger bereits 20 000 Euro sowie Schmuck im Wert von 5000 Euro übergeben hatte. Aber „Herr Ludwig hat damit gedroht, dass er mein Haus durchsuchen lässt, das kostet 20 000 Euro, die müsste ich dann zahlen“, erzählt sie. Also übergab sie noch einmal 25 000 Euro.Mittlerweile hatten die Betrüger das Leben der alleinstehenden Frau ausspioniert und wussten, dass sich Claudia L. um ihre 87-jährige Mutter kümmerte. Also machten sie weiter, bauten Drohgebilde auf, nun sei auch das Vermögen der Mutter in Gefahr. „Es war wie echt“, sagt Claudia L. Also übergab sie 60 000 Euro von ihrer Mutter und weiteren Schmuck für 3000 Euro. Jetzt forderte Herr Ludwig 45 000 Euro, zudem sollte Claudia L. Goldbarren im Wert von 90 000 Euro kaufen und ihnen überlassen. Dank eines anonymen Hinweises aber konnte die Polizei die letzte Übergabe verhindern und den Abholer Massoud B. festnehmen.„Die Frau war völlig eingeschüchtert und fertig mit der Welt“, erzählt die Kripobeamtin von jener Nacht, als die echte Polizei bei Claudia L. im Haus stand. Sie habe nicht mehr gewusst, wem sie Glauben schenken konnte. „Sie war eine einfache Kassiererin, hat ihr Leben lang gespart und sich Vorwürfe gemacht, dass nun auch noch das Geld ihrer Mutter weg sei.“Massoud B. versichert, von all dem nichts gewusst zu haben. Ein Freund in der Türkei habe Schulden bei ihm. Und er habe diese Adresse in München bekommen, „da könnte ich mein Geld abholen“. Er erzählt von einer Firma, die er mit diesem Freund betreibe, von der Vermittlung von Leiharbeitern und irgendwann sagt Staatsanwalt Maximilian Beer: „Hören Sie doch auf zu lügen.“ Beer geht davon aus, dass „der Freund“ in Wahrheit einer der Keiler ist, die von türkischen Callcentern aus Senioren um ihr Geld bringen. Am Ende des Prozesstages wurde der Angeklagte wegen versuchten gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Amtsanmaßung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt.