PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungWagenknecht-ParteiDas BSW wird zum „Bund Selbstgerechter Wichtigtuer“Veröffentlicht am 20.08.2025Lesedauer: 3 MinutenSahra Wagenknecht ist Mitgründerin des BSWQuelle: picture alliance/Flashpic/Jens KrickSeit Sahra Wagenknecht den Einzug in den Bundestag verpasste, wirkt sie desinteressiert und lustlos. Jetzt soll ein anderer Parteiname für neuen Schwung sorgen. Wie wäre es mit „Bund Selbstgerechter Wichtigtuer“?Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) will sich umbenennen. Das ist nur folgerichtig. Die Partei ist ja kein Bündnis, sondern wird von oben nach unten nach dem Prinzip der Lenin’schen Kaderpartei aufgebaut. Und obwohl dieses Auswahlprinzip bedingungslose Treue zur Namensgeberin garantieren und Fraktionsbildung verhindern sollte, wurde etwa in Thüringen Katja Wolf zur Landesvorsitzenden gewählt, obwohl sich Wagenknecht gegen sie ausgesprochen hatte. Lenin und Stalin hätten sich das nicht bieten lassen, aber wir leben zum Glück in einer Demokratie.Wagenknecht selbst wirkt, seit ihr Verein knapp den Einzug in den Bundestag verpasst hat, wieder einmal desinteressiert und lustlos. Sie ist letztendlich die ewige Querulantin; wie ihr Mann Oskar Lafontaine anmerkte, ist das Organisieren „nicht so ihr Ding“, eher das Quatschen in Talkshows. Aber die Chefin einer Regionalpartei, die gerade dort angefochten wird, wo ihre Organisation halbwegs stark ist, interessiert selbst ihre langjährigen Fans bei den Öffentlich-Rechtlichen immer weniger. Der Namenswechsel soll vermutlich den Einstieg in die Post-Wagenknecht-Ära einleiten.Der ansonsten autoritär agierende BSW-Vorstand agiert in der Namensfrage plötzlich basisdemokratisch und fordert die Mitglieder auf, Vorschläge einzusenden. Einzige Bedingung: die Buchstaben BSW sollen bleiben. Wagenknecht selbst schlug „Bündnis für Sicherheit und Wohlstand“ vor. Wenn sie einen Namen suchte, der möglichst gar nichts aussagt, dann sind „Sicherheit und Wohlstand“ ausgezeichnete Begriffe. Fast so gut wie „Alternative“. Was hat Wagenknecht aber bloß immer mit dem Wort „Bündnis“? Vermutlich trauert sie ihrer „Sammlungsbewegung Aufstehen“ hinterher, die noch weniger Leute einsammelte als ihr „Bündnis“.Lesen Sie auchEhrlicher wäre das Wort „Bund“, wie beim „Bund der Kommunisten“, dessen Programm von Karl Marx und Friedrich Engels geschrieben wurde, die zeitweilig auch die Geheimorganisation leiteten. Der Bund ging aus dem „Bund der Gerechten“ hervor, eigentlich ein Bund der Selbstgerechten, und da hätten wir schon das B und das S: „Bund Selbstgerechter Wichtigtuer“. Etwas zu ehrlich vielleicht, ebenso wie „Bund Sozialer Wirkungslosigkeit“ oder „Bund Sozialromantischer Westbindungkritiker“.Die FDP wollte sich 1968 mal durch Pünktchen hinter jedem Buchstaben interessanter machen – bis Guido Westerwelle sie wieder abschaffte. Vielleicht sollte das BSW mit Ausrufezeichen experimentieren: „Boah! Super! Wow!“ etwa, abgekürzt B!S!W! wäre ganz originell und hätte den Vorteil völliger Inhaltsleere. Die Bezeichnung „Pünktchen-Partei“ schadete den Freidemokraten; aber „Ausrufezeichen-Partei“ käme vielleicht ganz gut.Andererseits: Fünf Jahre nach der Gründung löste sich der Bund der Kommunisten auf Antrag von Marx wieder auf. In seinem Vorwort von 1888 zum „Manifest“ schrieb Engels, gerade die Niederlagen der Linken hätten die „Unzulänglichkeit ihrer diversen Lieblings-Quacksalbereien“ offenbart. Wagenknecht kennt ihre Klassiker. Sie sollte wissen, was die Stunde schlägt: Basta. Schluss. Wiedersehn.