Wenig Schnee im Winter, trocken im Frühjahr – und jetzt: wieder heiß, sehr heiß. Wissenschaftler blicken mit immer größerer Sorge auf die dahinschmelzenden Gletscher. Spätestens in etwa zehn Jahren, so bisher die Prognose, wird es in Deutschland keine Gletscher mehr geben.

Noch sind es vier: Als Erste werden den Forschern zufolge Watzmann- und Blaueisgletscher bei Berchtesgaden ihren Status als Gletscher verlieren. Das könnte schon sehr bald sein – und damit schneller als erwartet. „Sie sind akut bedroht“, sagt Geograf Wilfried Hagg von der Hochschule München.

Danach könnte es den Nördlichen Schneeferner an der 2962 Meter hohen Zugspitze treffen. Ende des Jahrzehnts dürfte er nicht mehr als Gletscher gelten. Gerade erst hatte Hagg den Gletscher besucht und sagt: „Ich war schockiert wie noch nie.“ Denn das Abschmelzen geht in immer größeren Schritten voran. Nur der Höllentalferner, ebenfalls im Zugspitzgebiet, könnte länger überleben, vielleicht noch bis 2035.

Schon seit drei Jahren gilt der Südliche Schneeferner nicht mehr als Gletscher. Er floss nicht mehr – das ist eines der Kriterien für die Einstufung als Gletscher. Dem restlichen Eis dort gaben Experten noch wenige Jahre.

Aktuelle Messungen des Eises an den letzten vier Gletschern gibt es für dieses Jahr noch nicht. Im September wollen Wissenschaftler der Hochschule München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit Drohnen Watzmann- und Blaueiskar befliegen und Fläche und Volumenänderung neu bestimmen. „Dann werden wir Genaueres wissen“, sagt Hagg. Womöglich müssen die bisherigen Prognosen weiter korrigiert werden.