PfadnavigationHomeGeschichteFunde in ManchingMenschliche Knochen in einem Brunnen verweisen auf blutige Rituale der KeltenVeröffentlicht am 01.09.2025Lesedauer: 4 MinutenDiese Statuette eines keltischen Kriegers zählt zu den spektakulären Neufunden in ManchingQuelle: picture alliance/dpa/Sven HoppeDas große Kelten-Oppidum Manching war ein Zentrum spezialisierter Handwerker – das belegen tausende neuerdings gemachte Funde. Außergewöhnlich ist jedoch ein Kastenbrunnen, der zahlreiche Fragmente enthielt, darunter Knochen mehrerer Menschen.Zuletzt sorgte das Kelten Römer Museum in Manching vor allem mit dem Raub seines Goldschatzes und dem Prozess darum für Schlagzeilen. Dass in der mit 380 Hektar größten bekannten Keltensiedlung Mitteleuropas südöstlich von Ingolstadt weiterhin gegraben wird, machte unlängst eine Präsentation des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in München deutlich: Zwischen 2021 und 2024 förderten seine Archäologen auf rund 6800 Quadratmeter mehr als 40.000 Fundstücke ans Licht, darunter mehr als 15.000 Teile aus Metall. Sie zeigen, dass das späteisenzeitliche (3.–1. Jahrhundert v. Chr.) Oppidum, wie die Römer die Siedlungen der Kelten nannten, noch immer Geheimnisse parat hält. Denn von dem Areal wurden zuvor erst knapp zehn Prozent systematisch erforscht. Der Umbau der Bundesstraße 16 machte die neue Kampagne nötig. Sie brachte erstaunliche Zeugnisse über den Alltag der Bewohner ans Licht.Lesen Sie auchSo belegen zahlreiche Fischschuppen und -gräten, dass in Manching neben Schweine- und Rindfleisch auch Fisch aus den nahen Flüssen und Bächen auf der Speisekarte stand. Pferde wurden geschlachtet, wenn sie aufgrund ihres Alters nicht mehr einsetzbar waren. Schafe und Ziegen lieferten den Menschen Wolle und Milch. Die Grundlage der Ernährung bestand jedoch aus Getreidesorten wie Gerste, Einkorn, Emmer, Dinkel sowie Hülsenfrüchten. Das Oppidum war in Quartiere aufgeteilt, die zum einen zum Wohnen, zum anderen offenbar ausschließlich von Handwerkern genutzt wurden. Hier wurden Keramik, Holz und – wie neu entdeckte Spuren von Hammerschlägen zeigen – Metall verarbeitet. Um Ressourcen zu sparen, wurden ältere Gebrauchsstücke recycelt. Das hohe Niveau der Fachleute bezeugt der Fund einer Bronzestatuette, die sehr detailliert einen keltischen Krieger mit Schild und Schwert darstellt. Auf dem Kopf befindet sich eine Ringöse, die möglicherweise zur Aufhängung an einer Kette diente. „Wir kennen die Keltensiedlung bereits als Fundort bemerkenswerter Menschendarstellungen. Doch diese 75 Millimeter hohe und 55 Gramm schwere Statuette ist eine besonders komplexe und feingliedrige Arbeit“, sagt der Restaurator des Landesamts, Thomas Stöckl. Lesen Sie auchAls „außergewöhnlich“ bezeichnen denn Archäologen einen mysteriösen Fund, der auf die Zeit von 120 bis 60 v. Chr. datiert wird: In einem Kastenbrunnen entdeckte das Team neben zahlreichen Tierknochen sowie Fragmenten aus Metall und Keramik sterbliche Überreste von mindestens drei Menschen. Ob dahinter ein ritueller Hintergrund steckt, ist noch unklar. Lesen Sie auchDass keltische Völker durchaus ein robustes Verhältnis zu menschlichen Körpern pflegen konnten, zeigen Ausgrabungen im Oppidum von Entremont (bei Aix-en-Provence). Dort entdeckte man die Reste eines 20 mal 5,5 Meter großen Saals, der der Präsentation von Kopftrophäen diente, wie 15 Schädel beweisen. Drei trugen noch die Eisennägel zu ihrer Befestigung. Schockiert berichtete der griechische Historiker Diodor: „Die Köpfe ihrer vornehmsten Feinde balsamieren sie ein und verwahren sie sorgfältig in einer Kiste, und wenn sie diese dann den Fremden zeigen, rühmen sie sich, wie einer ihrer Vorfahren oder ihr Vater oder auch sie selbst diesen Kopf um vieles Geld nicht hergegeben hätten.“ Menschenopfer sind bislang in Manching nicht bezeugt, wohl aber eine Reihe von Bestattungen, die mit einem Totenkult in Verbindung gebracht werden, wie er auch für andere keltische Siedlungen angenommen wird. In Mormont im Schweizer Kanton Wardt etwa wurden Gruben entdeckt, die neben Keramik- und Bronzegefäßen, Schmuck und Eisenwerkzeugen auch Überreste von Menschen und Tieren enthielten. „Sehr wahrscheinlich wurden viele Schächte im Rahmen von Opferhandlungen angelegt, die sich an chthonische (unterirdische) Gottheiten richteten, wobei man die geopferten Gegenstände und Lebewesen nach dem Abschluss der Kulthandlungen entweder insgesamt oder teilweise unter die Erde brachte“, schreibt der Religionswissenschaftler Bernhard Maier.Das Oppidum von Manching wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. vermutlich als Hauptort der Vindeliker gegründet. Innerhalb des 7,2 Kilometer langen Mauerrings dürften im 2. Jahrhundert v. Chr. bis zu 10.000 Menschen gelebt haben, was Manching – der antike Name ist nicht bekannt – zu einer der größten Siedlungen nördlich der Alpen gemacht hat. Als die Römer unter Kaiser Augustus (reg. 30 v.–14 n. Chr.) mit ihren Legionen an Rhein und Donau in die Offensive gingen, war das Oppidum bereits verlassen. Die Gründe dafür sind unbekannt.Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Archäologie zu seinem Arbeitsgebiet.mit KNA, dpa
Kelten: Menschenknochen in einem Brunnen verweisen auf blutige Rituale - WELT
Das große Kelten-Oppidum Manching war ein Zentrum spezialisierter Handwerker – das belegen tausende neuerdings gemachte Funde. Außergewöhnlich ist jedoch ein Kastenbrunnen, der zahlreiche Fragmente enthielt, darunter Knochen mehrerer Menschen.






