PfadnavigationHomeICONISTTrends75. GeburtstagSchlagfertig, unprätentiös, ein Arbeitstier – Anne, die AusnahmeprinzessinVeröffentlicht am 15.08.2025Lesedauer: 6 MinutenIm Dienst der britischen Krone: Prinzessin Anne, einzige Tochter von Queen Elizabeth II. und Prinz PhilipQuelle: John Walton/PA Wire/dpaGroße Mühe, den Medien zu gefallen, lehnt sie ab. Trotzdem gilt Prinzessin Anne als fleißigstes und als eines der populärsten Mitglieder des Königshauses. Jetzt feiert sie ihren 75. Geburtstag. Über ihren eigenwilligen Stil, vergessene Skandälchen und welche Besonderheit die Kiwi für sie hat.Ganz oft sind es Harry und Meghan, verbunden mit der Frage, ob ihre Liebe hält. Oder König Charles höchstpersönlich mit wilden Mutmaßungen zu seiner eigenen Gesundheit. Ein Mitglied der britischen Königsfamilie taucht auf den bunten Titelseiten der Klatschzeitschriften im Bahnhofskiosk aber praktisch nie auf: Prinzessin Anne, die Princess Royal, ein Titel, den ihr die Queen bereits mit 37 Jahren verlieh – als Ausdruck einer besonderen Wertschätzung für Pflichtbewusstsein und Loyalität zur Krone zu interpretieren. Die einzige Tochter von Queen Elizabeth II. gehört „seit langer Zeit zu den beliebtesten Mitgliedern der königlichen Familie“, sagt der Verfassungsexperte Craig Prescott von der Royal Holloway University of London. Anne gilt als nahbar, schlagfertig, sie vertrat Großbritannien als passionierte Reiterin bei den Olympischen Spielen von Montréal 1976. „Und sie gilt als frei von Skandalen.“ Am Freitag, 15. August, wird sie 75 Jahre alt.Interview-Anfragen aus Anlass ihres Geburtstages soll sie abgewiesen haben, und auch eine ausufernde Feier gibt es nicht. Der Princess Royal ist es wichtig, dass die zahlreichen Wohltätigkeitsorganisationen, für die sie sich engagiert, im Fokus stehen. Vertreter von mehr als 100 eben jener Organisationen hat Anne in den Buckingham Palast eingeladen.Sie ruht ganz offensichtlich in sichSchon mit 20 Jahren übernahm sie 1970 das Amt der Präsidentin von Save the Children, einer bedeutenden internationalen Kinderrechtsorganisationen. Ihr Engagement ist beispielhaft: Mit klarer Haltung, Empathie und einer außergewöhnlichen Reise- und Arbeitsbereitschaft besuchte sie Hilfsprojekte auf allen Kontinenten. Für ihre Arbeit wurde sie 1990 sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.In Zeiten, in denen sich Teile der Öffentlichkeit nach jedem noch so kleinen, anrüchig anmutenden Detail aus dem Leben der Royals sehnen, macht Prinzessin Anne in erster Linie ihren Job. Bei ihren ersten öffentlichen Auftritten wirkte sie noch unsicher und ungeschickt. Negative Schlagzeilen erntete Anne unter anderem mit 19, als sie sich bei einem öffentlichen Auftritt laut vernehmlich über den „verdammten Wind“ beklagte. „Man lernt es auf die harte Tour“, kommentierte sie später: „Es gibt keine Schule für das Royal-Sein.“Große Mühe, den Medien optisch wie charakterlich zu gefallen, lehnt sie dabei ab: Sie unternehme keine „Stunts“ für die Fotografen und Kameraleute, erklärte sie. Auch ihre Garderobe beschreiben manche eher als „zweckmäßig“; eine Sportbrille von Adidas (siehe oben) trägt sie seit Jahrzehnten.Inzwischen aber gilt die Nummer 18 der Thronfolge als extrem nahbar – und beweist das bei Hunderten Auftritten im Jahr. Niemand sonst der britischen Royals nimmt so viele Termine wahr wie sie: Im vergangenen Jahr waren es 474; ihr Bruder, König Charles, kam „nur“ auf 372 (aber er musste auch zwischenzeitlich wegen seiner Krebsbehandlung aussetzen). Was sie dafür braucht: eine Kiwi, um den Tag zu schaffen – das hat ihre Tochter Zara Tindall verraten. Aus ihrer Umgebung wurde der Tageszeitung „The Times“ verraten, dass Prinzessin Anne im gleichen Tempo bis zu ihrem 80. Geburtstag weiterarbeiten wolle. Danach plane sie, es zunehmend ruhiger angehen zu lassen, bis sie dann mit 90 Jahren endgültig in den Ruhestand gehen möchte – ähnlich wie ihr Vater Prinz Philip.Viele Menschen würdigten inzwischen, dass Anne eines der am härtesten arbeitenden Familienmitglieder sei, wenn nicht sogar die am härtesten arbeitende Royal, sagt Prescott. Das werde „sehr geschätzt“. In den Kreisen der Monarchie-Verehrer deutlich mehr als in jenen, in denen lieber Nachrichten über den in die USA ausgewanderten und deshalb verstoßenen Prinzen Harry gelesen werden.Keine Skandale – nur eine gescheiterte EheGelegentlich verschmelzen die royalen Themenbereiche. Das Königshaus hatte vor wenigen Tagen die Verlobung von Annes Sohn, dem Neffen des Königs, Peter Phillips, und dessen Freundin Harriet Sperling bekannt gegeben. Sohn Phillips trägt nach einer frühen Entscheidung von Anne und deren erstem Ehemann Mark Phillips keinen royalen Titel. Gleiches gilt für Tochter Zara Tindall. Eines der großen Themen nach der Bekanntgabe war: Kommt es bei der Hochzeit zur großen Versöhnung zwischen Harry und Thronfolger Prinz William? Die beiden zerstrittenen Söhne von König Charles III. sind schließlich Cousins von Peter Phillips – und sollten eingeladen sein. Was Anne wohl dazu sagt? Mit gescheiterten Beziehungen kennt auch sie sich aus: Ihre erste Ehe mit Mark Phillips zerbrach in den 1990er-Jahren. Es folgte eine schnelle zweite Ehe mit Timothy Laurence, einem Marineoffizier, die bis heute besteht. In einer Familie, deren Skandale und Trennungen regelmäßig weltweit in der Boulevardpresse abgearbeitet werden, ist Anne eine Ausnahmeerscheinung: diskret, verlässlich, präsent. Und schlagfertig.Wie ihr Vater, der 2021 gestorbene Prinz Philip, dessen Lieblingskind sie gewesen sein soll, hat Anne eine Neigung, Sprüche zu klopfen. Zu Übungen, an denen sie als Ehrenoffizierin des Militärs immer wieder am Steuer von Panzern teilnahm, sagte sie vor einigen Jahren: „perfekt für den Trafalgar Square, löst einfach alle deine Probleme!“ Der Platz im Zentrum Londons ist notorisch von Stau geplagt.Die Netflix-Serie „The Crown“ hat zuletzt wesentlich dazu beigetragen, das öffentliche Bild der Royals neu zu zeichnen. Auch Prinzessin Anne wurde in der Serie porträtiert – und zwar überraschend differenziert als intelligente, sarkastische und manchmal rebellische Figur, die oft zwischen den Erwartungen der Familie und ihrem eigenen Willen pendelt. Das hat der „echten“ Prinzessin viele Sympathien eingebracht.Lesen Sie auchIn der Serie wird sie als die vielleicht normalste aller Windsors gezeichnet – mit erwähntem trockenem Witz, klarer Haltung und wenig Interesse an höfischen Intrigen. Die reale Prinzessin gab zu, einige der frühen Folgen gesehen zu haben. Sie war nur überrascht, als die Schauspielerin Erin Doherty in einem Interview erzählte, man habe zwei Stunden für ihre Frisur gebraucht, um sie wie Prinzessin Anne aussehen zu lassen. Die „echte“ Prinzessin sagte, sie bräuchte höchstens zehn bis 15 Minuten. „Jeder Tag ist ein Bonus“Die Lockerheit mag in ihrer Jugend begründet sein. Diese verlief nämlich etwas anders als beim Royal nach Maß. Als erste Prinzessin im britischen Königshaus wurde sie nicht nur von Privatlehrern unterrichtet, sondern ging auf eine weiterführende Schule. Ihre Liebe für Pferde, die Teil des innigen Verhältnisses zu ihrer Mutter war, führte sie als Medaillengewinnerin bei europäischen Meisterschaften bis zu den Olympischen Spielen. Noch heute ist sie dem Sport und den Tieren tief verbunden.Allerdings brachte ihr die Leidenschaft für das Reiten auch mehrere Gehirnerschütterungen ein. Zuletzt wurde Anne, die in den 1970er-Jahren einem Entführungsversuch entging, im vergangenen Jahr von einem Pferd erfasst und musste in einer Klinik behandelt werden. „Man wird deutlich daran erinnert, dass eigentlich jeder Tag ein Bonus ist“, sagte sie später. „Es erinnert einen daran, dass man nie genau weiß, ob etwas passiert und man sich vielleicht nicht mehr erholt.“dpa; AFP
Prinzessin Anne wird 75: Schlagfertig, unprätentiös, ein Arbeitstier - WELT
Große Mühe, den Medien zu gefallen, lehnt sie ab. Trotzdem gilt Prinzessin Anne als fleißigstes und als eines der populärsten Mitglieder des Königshauses. Jetzt feiert sie ihren 75. Geburtstag. Über ihren eigenwilligen Stil, vergessene Skandälchen und welche Besonderheit die Kiwi für sie hat.










