„Ich habe eine Willkommenskultur erlebt, dass mir das Herz aufging“, erzählt Simone Fleischmann. Im Sommer vor zehn Jahren leitete sie die Grund- und Mittelschule im oberbayerischen Poing, in der Turnhalle des Schulzentrums waren damals Flüchtlinge untergebracht. In einem Glasbau, jeder konnte sie sehen. Ihre Mädchen und Buben waren neugierig, sahen die anderen Kinder. „Wir haben auch Plüschtiere, sagten Zweitklässler mal zu mir, aber wir haben keine Kinder, bringst du uns auch ein Kind?“

Poing liegt im Speckgürtel Münchens, ein kleiner Ort mit mehreren Neubaugebieten, drumherum Natur. „Poing hat eine aufgeschlossene, diverse Gesellschaft“, sagt Fleischmann. Sie hat die Vielfalt der Gefühle hautnah miterlebt, die überbordende Hilfe. Und den Kipppunkt, die Angst.

Im Mai 2015 wurde sie zur Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) gewählt, war also von September an überall im Land unterwegs. In der Erinnerung an die Zeit vor zehn Jahren dominieren die Bilder aus dem Herbst, als Tausende am Münchner Hauptbahnhof ankamen und zahllose Gruppen zu Fuß mit Polizeigeleit über niederbayerische Feldwege liefen. Aber schon im Frühjahr 2015 kamen Flüchtlinge in Bayern an, suchten Schutz vor Armut und Grauen in Syrien, Afghanistan oder Irak. Untergebracht wurden sie zunächst oft in Turnhallen wie im Poinger Schulzentrum.