Peruanische Bürger segeln den Amazonas entlang und bemerken, dass über einer Insel, die zu Peru gehört, plötzlich eine große kolumbianische Flagge weht – so zeigt es ein Ausschnitt aus dem peruanischen Staatsfernsehen. Eine Provokation? Vor einigen Wochen ist zwischen Kolumbien und Peru ein historischer Grenzstreit wiederaufgeflammt. Es geht um Santa Rosa, eine Insel, die es vor einigen Jahrzehnten zumindest mit diesem Namen noch nicht gab.

Sie liegt an einer sensiblen Flussachse, nur wenige Bootsminuten von den Ufern dreier Länder entfernt: Brasilien, Kolumbien und Peru. Dieser Flussknoten ist wirtschaftlich, nicht zuletzt durch den Tourismus in der Region, aber auch kulturell und spirituell für die Menschen bedeutsam. Wegen der abgelegenen, schwer zugänglichen Wasserwege und der lückenhaften Grenzkontrollen ist das Dreiländereck aber auch seit Langem aus einem anderen Grund bekannt: als Umschlagsplatz für den transnationalen Drogenhandel.

Der Amazonas bildet hier die natürliche Grenze zwischen den drei Nachbarstaaten – und die ist buchstäblich fließend. Wasserwissenschaftler berichten, dass sich der Flusslauf in den vergangenen Jahrzehnten allmählich zur peruanischen Seite hinverlagert hat. Sie warnen, dass Kolumbien mit dem wichtigen Hafen der Stadt Leticia in nur fünf Jahren eine wichtige physische Verbindung zum Amazonas verlieren könnte – damit auch eine wirtschaftliche Lebensader und einen bedeutenden Teil seiner nationalen Identität.