PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungNeue StrategieKriegstüchtiger PorscheVeröffentlicht am 20.08.2025Lesedauer: 3 MinutenNoch nicht von Porsche: Gepanzertes Transport-Kraftfahrzeug von RheinmetallQuelle: picture alliance/Chris Emil Janßen/Chris Emil JanssenDer Bund investiert Milliarden in die Verteidigung. Deshalb steigen die Autofirmen und Maschinenbauer ins Rüstungsgeschäft ein. Doch sie alle treffen auf das gleiche Problem.Die Porsche Automobil Holding tut es. Der Maschinenbaukonzern Trumpf ebenfalls. Und Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und Hensoldt sind ohnehin mit von der Partie: Immer mehr namhafte Unternehmen ergreifen die Chancen, die sich mit dem beschlossenen Wiederaufbau der Bundeswehr ergeben. Die Porsche Automobil Holding SE, Großaktionär von VW und Porsche, kündigte an, jetzt verstärkt ins Rüstungsgeschäft zu investieren. Denn die deutschen Automobilhersteller verzeichnen kräftige Gewinnrückgänge, und die Aussichten in dieser Branche sind nicht nur wegen der Zollpolitik des US-Präsidenten alles andere als rosig. Porsche-Automobil-Holding-Chef Hans Dieter Pötsch hält es deshalb für sinnvoll, künftig neben dem zivilen Fahrzeugbereich auch militärische Produkte in die Angebotspalette aufzunehmen. Breiter aufgestellt, fährt man seiner Ansicht nach in diesen unsicheren Zeiten besser. Dass neben den traditionsreichen Waffenschmieden nun auch hochpotente Firmen nicht nur aus der Automobilbranche öffentlich kundtun, dass sie ins Militärgeschäft einsteigen, ist eine gute Nachricht. Sowohl für den Verteidigungsminister als auch mit Blick auf die krisengebeutelte deutsche Wirtschaft. Die Zeiten, in denen es hierzulande als anrüchig galt, in dieser Branche Geld zu verdienen, sind vorbei. Denn der Schock über Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat den Europäern vor Augen geführt, wie schwach ihre Verteidigungsfähigkeit ist. Das gilt gerade auch für Deutschland, wo man meinte, die Kosten für die äußere Sicherheit die USA zahlen zu lassen. Diese Illusion ist geplatzt.Lesen Sie auchDie hohen Summen, die der Bund in den kommenden Jahren in die Bundeswehr investieren will, müssen klug eingesetzt werden, damit Deutschland binnen weniger Jahre kriegstüchtig wird. Nur dann ist die Abschreckung groß genug, um sicher vor einem militärischen Angriff zu sein. Dafür reicht es nicht, immer mehr Steuergeld aufzuwenden, um damit eine größere Menge der Militärgüter zu beschaffen, die wir schon haben. Wie der Krieg in der Ukraine zeigt, braucht es neben den konventionellen Waffen, Panzern und Flugzeugen auch neue Technologien. Sparten wie etwa der Drohnenbau, Cybersecurity oder Satellitentechnologie werden immer wichtiger. Künstliche Intelligenz verspricht gleichfalls enorme Entwicklungssprünge. Ingenieurskunst ist gefragt – und in vielen Branchen hierzulande und in anderen europäischen Staaten vorhanden. Findige Manager, risikobereite Investoren und agile Gründer brauchen aber, um durchstarten zu können, ein besseres Biotop. Das verkrustete Beschaffungswesen der Bundeswehr, kontrolliert vom Verteidigungsminister, muss fit gemacht werden. Neben dem populären SPD-Mann Boris Pistorius wird sich künftig im Kabinett auch Katherina Reiche in Rüstungsfragen zu Wort melden. Die CDU-Wirtschaftsministerin hat dazu eigens ein Beraterteam berufen. Denn auch ökonomische Expertise und unternehmerisches Denken sind jetzt gefragt. Das wachsende Verteidigungsbudget soll schließlich nicht vorwiegend an Anbieter im Ausland gehen. Dass Präsident Trump einen großen Batzen für die US-Wirtschaft abgreifen will, haben die Zollverhandlungen gezeigt. Aus ökonomischen und sicherheitspolitischen Gründen sollten wir die Entwicklung modernster Verteidigungstechnologien jedoch vorrangig im eigenen Land vorantreiben. Dazu braucht es öffentliche Forschungsgelder und Aufträge. Und ein offenes Ohr der Koalitionäre für die praxisnahen Anregungen aus dem Militär und der Wirtschaft.