PfadnavigationHomePolitikDeutschlandKulturministeriumSternchen bleibt „Standard“ – Ministerien ignorieren Weimers Gender-AppellVeröffentlicht am 13.08.2025Lesedauer: 2 MinutenKulturstaatsminister Wolfram WeimerQuelle: Hannes P Albert/dpaKulturstaatsminister Wolfram Weimer verbietet in seiner Behörde Gendern mit Sonderzeichen. Das geht seinen Kabinettskollegen bislang zu weit. Zwei SPD-geführte Ministerien bekennen sich weiter zur Sternchen-Schreibweise.Nach Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kürzlich das Gendern mit Sonderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I in behördlichen Schreiben untersagt. Zum Wochenende rief der Parteilose andere öffentlich geförderte Institutionen wie Museen, Stiftungen oder Rundfunkanstalten auf, dieser Linie zu folgen.Zumindest bei seinen Kollegen im Kabinett ist Weimer mit seinem Appell offenbar nicht durchgedrungen. Kein anderes Ministerium hat ein ähnliches Verbot ausgesprochen oder geplant. Das hat eine Abfrage des „Tagesspiegel“ bei den übrigen 15 Bundesministerien ergeben. Nirgendwo hielt oder hält man einen solchen Schritt angesichts der bereits bestehenden Regelungen für notwendig.„Das BMV hält sich an die gemeinsame Geschäftsordnung der Bundesregierung, in der für den amtlichen Schriftverkehr die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung als Maßgabe definiert sind“, sagte zum Beispiel ein Sprecher von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). So oder so ähnlich fiel die Rückmeldung auch von anderen Sprechern aus.Lesen Sie auchIn allen von der Union geführten sowie fast allen SPD-Ministerien will man eine geschlechtergerechte Sprache durch Doppelnennungen und neutrale Ersatzformen gewährleisten. „Eine Änderung dieser Praxis ist nicht vorgesehen“, teilte etwa ein Sprecher von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit. Zur Nutzung von Sonderzeichen sagte ein Sprecher von Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU): „Solche Schreibweisen gelten derzeit als rechtschreibwidrig und können auch im Sinne barrierearmer Kommunikation nicht als allgemeinverständlich vorausgesetzt werden.“ Lesen Sie auchIn zwei SPD-geführten Ministerien, dem Arbeits- sowie Entwicklungsministerium, bekennt man sich hingegen zur Nutzung von Sonderzeichen. „Im rein internen Schriftverkehr kann eine Wortbildung mit einem Gendersternchen erfolgen“, sagte eine Sprecherin von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Gelegentlich würde es aufgrund der Bedeutung der Zeichenzahl auch in Social-Media-Posts genutzt. Aus dem Ressort von Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hieß es, das Gendersternchen sei der „Standard“ der internen und externen Kommunikation. Möglich seien aber auch Doppelnennungen oder Ersatzformen.Neues Regelwerk seit Anfang JuliSeit Anfang Juli gilt ein neues Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung. Es gilt für Schulen und die öffentliche Verwaltung. Neu ist ein Abschnitt zu Sonderzeichen in Wörtern, wie sie von Befürwortern einer geschlechtersensiblen Sprache genutzt werden. „Diese Wortbinnenzeichen gehören nicht zum Kernbestand der deutschen Orthografie“, heißt es dort. Ihre Setzung könne in verschiedenen Fällen zu grammatischen Folgeproblemen führen, die noch nicht geklärt seien. Die Entwicklung des Gesamtbereichs sei aber bislang nicht abgeschlossen und werde weiter beobachtet.Die Bundesregierung hatte Anfang August erklärt, keine Wörter mit Gender-Sternchen zu nutzen. Maßgeblich seien die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung.saha