Eigentlich hätte man annehmen können, bei Intel könne es nicht noch schlimmer kommen. Der alte Chef geschasst, technologisch hintendran, der Plan, als Auftragsfertiger zu arbeiten, praktisch gescheitert, Massenentlassungen, Schwierigkeiten mit der Einführung einer neuen Fertigungstechnologie. Und nun das: Lip-Bu Tan, ein alter Fahrensmann der Chip-Branche, erst vor wenigen Monaten nach längerer Suche zum neuen Intel-Chef gekürt, bekommt es mit dem Weißen Haus zu tun. Nicht etwa wegen der Zollpolitik des Präsidenten Donald Trump. Sondern, weil der republikanische Senator Tom Cotton Tan eine zu große Nähe zu China vorwirft. Woraufhin Trump den sofortigen Rücktritt Tans gefordert hat: „Es gibt keine andere Lösung für dieses Problem“, schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social.
Die Sache ist durchaus heikel, weil Intel als einer von wenigen Chip-Firmen noch Chips selbst herstellt, auch in den USA. Intel hat auch einen Auftrag für Chips im Wert von drei Milliarden Dollar vom Verteidigungsministerium und viel Fördergeld bekommen. Senator Cotton hatte davor einen Brief an den Chef des Intel-Aufsichtsrates, Frank Leary, geschickt. Darin fragte er, ob man sich bei Intel dessen bewusst sei, dass die Technologiefirma Cadence, die der in Malaysia geborene Tan vor seinem Wechsel zu Intel geführt hatte, widerrechtlich Produkte an eine Militäruniversität in China verkauft und Technologie an ein chinesisches Unternehmen weitergegeben habe. Auch gebe es Berichte, wonach Lip-Bu Tan „Dutzende“ Firmen in China kontrolliere. Cotton forderte eine Antwort des Intel-Verwaltungsrats bis Mitte August.












