PfadnavigationHomePanoramaKeine Rettungsgasse auf A4„Hat uns sprachlos gemacht“ – Retter müssen sich zu Fuß zum Unfall kämpfenVeröffentlicht am 08.08.2025Lesedauer: 3 MinutenDie Feuerwehrleute müssen sich zu Fuß ihren Weg zur Unfallstelle bahnenQuelle: FFNossen; FFDBoraAuf der A4 in Sachsen kommt es zu einem Lkw-Unfall. Die Rettungskräfte eilen zu Hilfe. Doch für den Weg, der eigentlich zehn Minuten dauert, brauchen sie fast eine Stunde – weil die Rettungsgasse fehlt.Es gehört viel dazu, um erfahrene Feuerwehrleute sprachlos zu machen. Doch genau das passierte den Rettungskräften der Freiwilligen Feuerwehr Deutschenbora vergangene Woche bei einem Einsatz auf der A4 bei Wilsdruff (Sachsen). Die Einsatzkräfte wurden wegen eines Auffahrunfalls mit Verletzten alarmiert. Die genaue Lage: unklar. „Was dann geschah, hat selbst unsere erfahrensten Kameradinnen und Kameraden sprachlos gemacht“, schrieb die Feuerwehr auf ihrer Facebook-Seite. „Eine funktionierende Rettungsgasse? Fehlanzeige!“Stattdessen habe die Feuerwehrleute ein „regelrechtes Tetris-Spiel auf Rädern“ erwartet. „Über Kilometer hinweg mussten wir uns die Rettungsgasse zu Fuß selbst erkämpfen – Meter für Meter.“ Die Strecke, die sie normalerweise in zehn Minuten zurückgelegt hätten, habe so fast eine Stunde gedauert. Lesen Sie auchDazu posteten die Feuerwehr Fotos vom Einsatz. Darauf ist zu sehen, wie die Einsatzkräfte in voller Montur zwischen den stehenden Autos umhergehen und die Fahrer einzeln ansprechen, damit diese den Weg frei machen. Der Beitrag wurde inzwischen hundertfach geteilt.Als die Rettungskräfte mit massiver Verspätung an der Unfallstelle ankamen, stellten sie erleichtert fest, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen war – reines Glück, wie die Fotos zeigen. Auf der völlig demolierten Beifahrerseite saß niemand, der Fahrer wurde leicht verletzt.Aber auch wenn der Einsatz letztendlich glimpflich ausging, machte der Vorfall die Feuerwehrleute wütend, wie sie weiter schrieben. „Denn wir wissen nie, was uns am Einsatzort erwartet.“ Diesmal seien es nur auslaufende Betriebsmittel gewesen, die sie hätten beseitigen müssen. „Doch was wäre gewesen, wenn wirklich jemand in Lebensgefahr gewesen wäre, jede Minute gezählt hätte und wir zu spät gekommen wären?“, fragen sie.Lesen Sie auchOffenbar war die Fahrspur an der Unfallstelle aufgrund von Bauarbeiten derzeit beengt. Dafür äußerten die Feuerwehrleute Verständnis. „Wir wissen: In Baustellen ist alles eng, unübersichtlich und hektisch. Aber jeder lernt in der Fahrschule, wie man eine Rettungsgasse bildet. Und dass sie nicht für die gedacht ist, die ‚nur schnell durch‘ wollen.“Und auch wenn Baustellen eng und nervig seien und die Einsatzkräfte den Unmut der Autofahrer verstehen würden, die sich jeden Tag durch sie quälen müssten: „Was wäre gewesen, wenn es dein Vater, deine Tochter, dein bester Freund gewesen wäre, der auf unsere Hilfe wartet?“, fragen die Retter abschließend und erinnern: „Die Rettungsgasse ist keine Option. Sie ist Pflicht – für jeden.“In der Tat regte sich in den Kommentaren einige Kritik an dem Beitrag. Ein Nutzer schrieb: „Wie soll denn in dem Baustellenbereich auf den eingeengten Fahrstreifen ohne Standstreifen eine Rettungsgasse gebildet werden?“. Ein nach eigenen Angaben langjähriger Mitarbeiter einer Freiwilligen Feuerwehr ergänzte: „Dem Verkehr allein die Schuld zu geben, greift meiner Meinung nach zu kurz. Bei einer Baustelle ohne Standstreifen ist es praktisch unmöglich, eine Rettungsgasse reibungslos zu bilden.“ Seinem Eindruck nach hätte sich die Situation mit Rettungsgassen in den letzten Jahren „insgesamt deutlich verbessert“.Seit 2017 gelten diese Regeln für eine RettungsgasseSeit 2017 gelten vereinfachte Regeln in der Straßenverkehrsordnung zur Bildung einer Rettungsgasse. Zwei Regeln gelten nur noch: 1. Eine Rettungsgasse muss bereits gebildet werden, sobald Autos mit Schrittgeschwindigkeit und zähflüssigem Verkehr fahren. Bislang galt dies nur bei Stillstand.2. Die Gasse muss immer zwischen der äußersten linken Spur und der unmittelbar rechts daneben liegenden gebildet werden. Heißt also: Bei drei oder vier Spuren fahren also die Autos auf dem linken Streifen nach links und alle anderen nach rechts. Dabei kann auch der Standstreifen benutzt werden.saha