PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaEintracht FrankfurtNeuer Stürmer„Für mich überwiegen die Nachteile“ – Jonathan Burkardt boykottiert Social MediaVon Ulrika SickenbergerVeröffentlicht am 10.08.2025Lesedauer: 6 MinutenNeuer Mann in Frankfurt. In der vergangenen Saison schoss Jonathan Burkardt 19 Tore in 30 Pflichtspielen für MainzQuelle: Arne Dedert/dpaObwohl Jonathan Burkardt erst seit diesem Sommer für Eintracht Frankfurt spielt, trägt der 25-Jährige bereits eine beachtliche Verantwortung. Mit seiner Ankunft am Main ist der deutsche Nationalstürmer quasi über Nacht in eine Führungsrolle hineingewachsen.Eintracht Frankfurt hat die Vorbereitung auf das erste Pflichtspiel am 17. August in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Fünftligisten FV Engers mit einem Sieg und einer Niederlage gegen den FC Fulham abgeschlossen. Nach einem 3:1 beim Premier-League-Klub aus London am Vormittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit mussten sich die Frankfurter vor Zuschauern am Abend mit 0:1 (0:1) geschlagen geben. Mit von der Partie: Frankfurts neuer Torjäger Jonathan „Jonny“ Burkardt, der aber kein Tor beisteuern konnte. Der 25 Jahre alte Mittelstürmer kam für 21 Millionen Euro von Mainz. Im Interview nimmt Burkardt nun Stellung zu seiner bisherigen Zeit bei der Eintracht und dem Druck, der auf ihm lastet.Frage: Herr Burkardt, Klub-Legende Charly Körbel sagte, dass Sie sich früher als Mainzer Spieler heimlich Eintracht-Spiele angeschaut haben. Stimmt das?Jonathan Burkhart: Es stimmt, dass ich auch mal mit Freunden im Stadion war, wenn es der Trainingsplan hergegeben hat, bei Europa-League-Spielen. Aber nicht heimlich oder inkognito, sondern als Jonathan Burkardt (lacht).Frage: Er sagte auch, Sie würden Eintracht guttun.Burkhart: Das freut mich, weil es eine sportliche und menschliche Einschätzung von jemandem ist, der auf dem Gebiet sehr viel Ahnung hat. Ich hoffe, dass ich Eintracht Frankfurt wirklich guttun kann. Charakterlich und auf dem Platz. Aber davon bin ich auch überzeugt, sonst wäre ich nicht hier.Frage: Sie haben gleich zu Beginn betont, dass Eintracht für Sie kein Sprungbrett ist. Nur eine Phrase oder ehrlich gemeint?Burkhart: Ganz klar ehrlich gemeint. Es war für mich der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu machen. Für mich passt das Gesamtpaket. Es ist ein Klub, mit dem ich mich identifizieren und wo ich mich wohlfühlen kann. Und wo ich auch einen klaren Plan sehe über eine längere Zeit. Das fühle ich jetzt ganz genau so. Ich möchte hier etwas bewirken und kann mir vorstellen, länger zu bleiben.Frage: Es scheint, Eintracht habe einen Zaubertrank für Stürmer. In den vergangenen Jahren sind viele durchgestartet. Zuletzt Omar Marmoush und Hugo Ekitiké. Sie treten in große Fußstapfen.Burkhart: Ich bin mir dessen bewusst. Ich weiß, wer hier vorher gespielt hat, und ich weiß, dass das großartige Stürmer sind, die tolle Leistungen gebracht haben. Aber es ist auch klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen möchte. Ich bin ein anderer Spieler und ein anderer Mensch, ich möchte meine eigenen Fußstapfen hinterlassen.Frage: Ist es für Sie eher Ansporn oder Verantwortung, diesem speziellen Eintracht-Phänomen gerecht zu werden?Burkhart: Ich denke nicht, dass ich irgendwem oder irgendwas gerecht werden muss, sondern ich sehe das eher als tolle Sache für mich. Weil ich weiß, dass man hier gut mit Stürmern gearbeitet hat. Ich weiß, das ist ein Klub, der den Fokus auf die Entwicklung von Spielern, vor allem auch Stürmern legt. Und um auf die Verantwortung zu kommen: Ich sehe bei mir die Verantwortung, gute Leistungen zu bringen und mich weiterzuentwickeln.Lesen Sie auchFrage: Hermann Gerland war ab 2021 Co-Trainer der U21 und hat Sie dort sehr geprägt. Was macht ihn so besonders?Burkhart: Dass er sich die Zeit nimmt, mit Einzelnen individuell zu arbeiten und zu reden. Er hat viele Ideen, was das Kreieren von Torchancen und Abschlüssen betrifft, kleine Übungen, die man auch im Verein machen kann. Vom Menschlichen und Fachlichen war die Zusammenarbeit perfekt zu dem Zeitpunkt meiner Karriere. Er war ein wichtiger Ratgeber für mich auf dem Weg, mir Effizienz und Lockerheit vor dem Tor zu erarbeiten.Frage: Und sein manchmal rauer Umgangston?Burkhart: Er ist einfach ehrlich, und das macht es auch aus. Wenn ihm etwas nicht passt, ob im Abschluss, im Ablauf, in der Bewegung, dann sagt er das sofort. Das hilft in der Entwicklung, denn man bekommt ehrliches Feedback. Das ist Gold wert.Frage: Wie sind Sie überhaupt zum Fußball gekommen?Burkhart: Aus Eigenmotivation. Schon als kleiner Junge habe ich immer und überall den Ball dabeigehabt. Ich habe gekickt, wann immer es ging, und dann haben mich meine Eltern zum Training gebracht.Frage: Weil Sie zu Hause zu viel kaputt geschossen haben?Burkhart: (Lacht) Es ist definitiv ständig etwas kaputtgegangen, und einige Bälle sind zum Nachbarn geflogen. Ich hab auch in meinem Kinderzimmer gespielt, was cool war. Es gab eine große Wand, wo ich mit einem Softball immer dagegen gekickt habe. Die Wand hatte dementsprechende Flecken ...Frage: Wann haben Sie gemerkt, dass es zum Profi reichen könnte?Burkhart: Ich habe im Sommer 2018 mit 17 meinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben, aber die Frage ist, wie definierst du „Profi sein“? Wenn du den Vertrag hast, bist du das zwar auf dem Papier, aber ein richtiger Profi bist du vielleicht erst, wenn du 50 Bundesliga-Spiele absolviert hast. Bei mir war es ein fließender Übergang. Als ich zu den Profis gekommen bin und gesehen habe, ich kann ganz gut mithalten und habe die Chance, mich zu etablieren, da kam dieses Gefühl auf. Vorher war es immer nur ein Traum.Frage: Es fällt auf, dass Sie auf keinem Social-Media-Kanal vertreten sind.Burkhart: Das stimmt. Das kann jeder so machen, wie er möchte. Social Media hat sicher auch gute Seiten, aber für mich passt das nicht.Frage: Warum?Burkhart: Es stellt viel Ablenkung bereit, es kann auch die Realität oder die Wahrnehmung beeinflussen, die man selbst hat. Für mich überwiegen die Nachteile, deswegen habe ich mich dazu entschieden, darauf zu verzichten.Lesen Sie auchFrage: Druck spielt im Profi-Fußball eine große Rolle. Auch für Sie?Burkhart: Es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht. Lastet man sich den Druck allein auf oder sieht man, dass es immer ein ganzes Team ist – in guten wie in schlechten Momenten. Ich versuche, das nicht so an mich ranzulassen, sondern den Fokus auf das zu richten, warum ich eigentlich Fußball spiele. Und zwar, weil ich großen Spaß daran habe.Frage: Aber Fußball ist inzwischen mehr als nur der Spaß am Kicken.Burkhart: Klar ist das jetzt alles auf einer richtig großen Bühne, aber man muss sich trotzdem den Ursprung des Ganzen immer bewusst vor Augen halten. Dann kommt man ein wenig weg von diesem Druck, den großen Summen, die dahinterstecken. Man muss versuchen, sich davon zu lösen und darf nicht alles auf sich projizieren.Frage: Dafür muss man sehr reflektiert sein.Burkhart: Ja, aber auch da hat jeder seine eigene Methode. Der eine braucht den Druck vielleicht, um sich zu Höchstleistungen zu pushen und sagt sich: „Alles hängt von mir ab, und ich bin derjenige, der es reißen muss.“ Bei mir sind es eher Spaß, sich wohlfühlen, Freude am Fußballspielen. Das stelle ich in den Vordergrund.Frage: Viele Spieler sagen, dass Fußball ihr Leben sei. Sie auch?Burkhart: Ich liebe Fußball, er ist ein Teil, eine Begeisterung meines Lebens. Aber mein Leben ist nicht nur Fußball. Denn was würde ich dann mal nach meiner Karriere machen oder in den Momenten, in denen ich zu Hause bin?Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.