Enrique Jiménez und Anmar Fadhil sitzen im Büro am Institut für Assyriologie und Hethitologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und beugen sich über ein Blatt Papier. Es ist voll geschrieben mit winzigen Schriftzeichen. Die beiden haben in Rot und Grün einige Stellen markiert, da gilt es noch etwas zu klären. „Wo ist der Satz mit den Hasen?“, fragt Jiménez und schiebt das Blatt seinem Kollegen und Freund hinüber. „Da“, antwortet der und deutet mit dem Finger auf eine Lücke im Text. Keilschrift, geschrieben vor 3000 Jahren in Mesopotamien. Die beiden Forscher, der eine Spanier, der andere Iraker, gehören zu den wenigen Menschen auf der Welt, die diese Schrift und Akkadisch, die Sprache, in der der Text verfasst ist, flüssig lesen können.
Vor Kurzem ließ eine ihrer Entdeckungen die Fachwelt aufhorchen. Aus 30 Fragmenten setzten sie einen Text zusammen, eine Hymne auf Babylon, die ein unbekannter Autor damals in eine Tontafel geritzt hatte.
Der Euphrat, der die Stadt durchfließt, den schuf Nudimmud, der Weisheit Herr/ Bewässert die Ebene, durchtränkt das Röhricht/ Ergießt seine Wasser in Lagune und Meer./ Auf seinen Feldern blüht es und grünt’s/ Es schillern die Auen vor frischem Getreide …






