PfadnavigationHomeRegionalesHamburgGrundsteuer in HamburgBis zu 1000 Prozent mehr – wer von der Reform besonders betroffen istVeröffentlicht am 05.08.2025Lesedauer: 4 MinutenDas Wort Grundsteuer erscheint auf einem Computerbildschirm auf der Seite des Online-Steuerportals Elster. In Hamburg gibt es neue Zahlen zu den BelastungenQuelle: Bernd Weißbrod/dpaHamburgs neues Grundsteuermodell gilt als gerechter – doch viele Eigentümer zahlen nun deutlich mehr. Besonders Gewerbeflächen sind betroffen. Die Linksfraktion kritisiert fehlende Lageunterscheidung. Auch der Bund der Steuerzahler übt Kritik.Seit Anfang des Jahres gilt in Hamburg ein neues Grundsteuermodell. Es wurde bundesweit gelobt: als einfach, transparent und gerechter als das komplizierte Bundesmodell. Doch nun zeigen neue Auswertungen, wie stark die Reform einzelne Eigentümer tatsächlich trifft – und wie unterschiedlich die Auswirkungen ausfallen.Eine Anfrage der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hat Zahlen zutage gefördert, die für Diskussion sorgen. Demnach sind mehr als 100.000 Wohnimmobilien und rund 12.000 gewerblich genutzte Flächen von teils deutlichen Steuersteigerungen betroffen. In vielen Fällen liegt die Erhöhung zwischen 25 und 400 Prozent. In mehreren Tausend Fällen ist die Belastung sogar noch höher – bis zu einer Verzehnfachung der bisherigen Grundsteuer.Überproportional oft von hohen Steigerungen sind Gewerbeimmobilien betroffen. 12.100 Besitzer müssen mehr Grundsteuer zahlen als bisher. Davon sind 400 Fälle mit Steigerungen von 1000 Prozent konfrontiert. Bei reinen Wohnimmobilien ist das Verhältnis 109.000 zu 500.Lesen Sie auchDie Gewerbeimmobilien nimmt die Linksfraktion in ihrer Kritik daher auch besonders ins Visier. Der Vorwurf der Linksfraktion an den Senat richtet sich vordergründig gegen die fehlende Differenzierung nach Lage. Während bei Wohnimmobilien zwischen „normaler“ und „guter“ Wohnlage unterschieden wird, spielt die Lage bei Gewerbeflächen keine Rolle. Ob ein Betrieb in der Innenstadt sitzt oder am Stadtrand – für die Steuerberechnung ist das unerheblich. Alles andere als „fair für alle“Aus Sicht der Linken führt das zu einer systematischen Benachteiligung kleinerer Unternehmen außerhalb des Zentrums. „Das erhöhte Grundsteueraufkommen belastet vor allem Klein- und Mittelständische Unternehmen“, sagte Xenija Melnik, wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion am Dienstag. Die ungleiche Verteilung des Grundsteueraufkommens sei alles andere als „fair für alle“. Mit dem Slogan hatte der Senat für seine Ausformung der notwendigen Grundsteuerreform geworben.Auch die Entwicklung des Steueraufkommens sorgt bei den Linken für Kritik. Laut Senatsdaten stieg die Grundsteuer bei Gewerbegrundstücken und Immobilien von 168 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 186 Millionen Euro im Jahr 2025 – ein Plus von 18 Millionen Euro. Die Linksfraktion sieht darin ein klares Zeichen für eine strukturelle Mehrbelastung des Gewerbes.Lesen Sie auchDer Senat widerspricht. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) betonte in einer Mitteilung, dass die Reform notwendig war, weil das alte System jahrzehntelang auf verfassungswidrigen Bewertungsgrundlagen beruhte. Die neue Grundsteuer sei aufkommensneutral konzipiert – das heißt: Die Stadt wollte durch die Reform nicht mehr Geld einnehmen als zuvor. Tatsächlich liege das aktuelle Steueraufkommen mit 503 Millionen Euro sogar leicht unter der Zielmarke von 510 Millionen Euro, die auf einer Steuerschätzung für das Jahr 2025 basiert. Es sei nie angekündigt gewesen, so Dressel, einen Vergleich zwischen den vereinnahmten Steuern 2024 und 2025 vorzunehmen. Man wollte einen Ausgleich immer zwischen den Zahlen der Steuerschätzung und den Einnahmen erreichen. Denn in der Regel verzeichnet Hamburg jedes Jahr steigende Steuereinnahmen.Extreme Ausschläge eine AusnahmeDressel verweist zudem auf die Verteilung der Belastung: Laut Senat zahlen 51 Prozent der Steuerpflichtigen künftig weniger als zuvor, 49 Prozent mehr. Extreme Ausschläge nach oben oder unten seien „die Ausnahme“. Die wenigen Fälle mit besonders hohen Steigerungen seien oft auf fehlerhafte Angaben zurückzuführen – etwa zu große Flächen oder doppelte Eintragungen.Die Kritik an der fehlenden Lageunterscheidung bei Gewerbe weist der Finanzsenator ebenfalls zurück. Es gebe schlicht kein Gewerbelagen-Verzeichnis, daher sei eine Differenzierung technisch nicht möglich. Daraus eine systematische Benachteiligung abzuleiten, sei „haarsträubend“, so Dressel. Auch die Behauptung, kleinere Gewerbeflächen würden automatisch höher belastet, sei nicht nachvollziehbar.Lesen Sie auchTrotz der Verteidigung des Modells durch den Senat meldete sich auch der Bund der Steuerzahler Hamburg zu Wort. Der Landesvorsitzende Sascha Mummenhoff nahme dabei eine Position zwischen der Kritik der Linken und den Ausführungen des Senats ein. „Die Kritik der Linksfraktion benennt berechtigte Fragen, schießt in der Schärfe aber über das Ziel hinaus“, so Mummenhoff.Die Reform sei solide, aber nicht perfekt. Besonders die Gleichbehandlung von Betrieben in der Innenstadt und am Stadtrand sei problematisch. Auch die pauschale Einteilung von Wohnlagen in nur zwei Kategorien – „normal“ und „gut“ – greife zu kurz. Sie berücksichtige weder soziale Unterschiede noch strukturelle Besonderheiten einzelner Stadtteile.Steuerzahlerbund fordert Senkung der HebesätzeDer Steuerzahlerbund fordere deshalb schon länger eine Nachjustierung des Hamburger Modells: mit mehr Transparenz, einer stärkeren Berücksichtigung der tatsächlichen Lage und einer Senkung der Hebesätze. Hamburg sei bundesweit Spitzenreiter bei der Grundsteuerbelastung. Eine Halbierung der Steuer hätte laut Verband ein Volumen von rund 250 Millionen Euro bedeutet – eine Summe, die aus seiner Sicht an anderer Stelle im Haushalt hätte eingespart werden können.Die Reform der Grundsteuer wurde notwendig, nachdem das Bundesverfassungsgericht die bisherige Regelung 2018 für verfassungswidrig erklärt hatte. Hamburg nutzte die Möglichkeit, ein eigenes Modell zu entwickeln – das sogenannte Wohnlagenmodell. Dabei wird zwischen „normaler“ und „guter“ Wohnlage unterschieden. Die Quadratmeterwerte sind pauschal festgelegt und sollen extreme Belastungen durch stark gestiegene Grundstückspreise vermeiden.
Grundsteuer in Hamburg: Bis zu 1000 Prozent mehr – wer von der Reform besonders betroffen ist - WELT
Hamburgs neues Grundsteuermodell gilt als gerechter – doch viele Eigentümer zahlen nun deutlich mehr. Besonders Gewerbeflächen sind betroffen. Die Linksfraktion kritisiert fehlende Lageunterscheidung. Auch der Bund der Steuerzahler übt Kritik.






