Zum letzten Mal kam Mario Candotto vor drei Monaten zurück nach Dachau. Bei den Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers richtete der Mann aus Ronchi dei Legionari, einer italienischen Gemeinde an der Grenze zu Slowenien, am ehemaligen Krematorium eine Gedenkbotschaft an die Anwesenden. Er stützte sich auf seinen Gehstock und ging Schritt für Schritt zum Mikrofon, während der Regen auf das Dach des aufgestellten Zeltes prasselte.
Nichts konnte ihn in den vergangenen Jahrzehnten daran hindern, unermüdlich seine Lebensgeschichte zu erzählen. Immer und immer wieder hatte er berichtet, wie die Nationalsozialisten ihn und seine ganze Familie verfolgt und in Konzentrations- und Vernichtungslager gesperrt hatten, wie sie ihn in Dachau zur Nummer gemacht hatten, um ihn zu entmenschlichen. Jetzt stand er wieder in Dachau an einem Rednerpult – und musste feststellen, dass die Menschen 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht wirklich aus der Geschichte gelernt hätten, wie er sagte. In seiner bewegenden Rede forderte er die Zivilgesellschaft auf, sich endlich stärker gegen aktuelle Entwicklungen zu stemmen.
Die KZ-Gedenkstätte Dachau trauert um einen „inspirierenden Zeitzeugen“







