Ein muslimischer Geistlicher, der in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim als Gefangenenseelsorger tätig war, ist wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und des Drogenhandels festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte den Verdacht und die Festnahme. Angeblich soll der Mann Drogen und Handys in das Gefängnis geschmuggelt und an Inhaftierte verkauft haben.

Die Ermittlungen gegen den Mann liefen schon seit Längerem. Am 22. Juli wurden Zellen in Stadelheim und die Münchner Wohnung des Mannes durchsucht. Dabei wurde er festgenommen, er sitzt jetzt in einer Justizvollzugsanstalt in Baden-Württemberg in Untersuchungshaft.

Auch gegen sieben Gefangene wird ermittelt – wegen gewerbs- und bandenmäßigem Handel mit Drogen in nicht geringer Menge. Bei dem Geistlichen kommt zudem der Vorwurf der Bestechlichkeit hinzu, weil er in seiner Funktion als Gefangenenseelsorger „ein für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter“ ist, wie es im entsprechenden Paragrafen des Strafgesetzbuches heißt.

Zur Person des Beschuldigten wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gibt es jedoch nur einen muslimischen Geistlichen, der in Stadelheim tätig ist. Das bayerische Justizministerium konnte Fragen dazu am Montag nicht beantworten. Offiziell bestätigt ist nur, dass vier christliche Seelsorger in der JVA arbeiten – drei katholische und ein evangelischer. Sie werden von den Kirchen abgestellt und vom bayerischen Staat bezahlt. Eine solche Gestaltung ist bei Muslimen schwierig, weil es keine übergeordnete Organisation, keinen Dachverband gibt und damit auch keinen Ansprechpartner für den Staat.