PfadnavigationHomePolitikDeutschlandTreffen bei Orbáns DenkfabrikBilder zeigen Saskia Ludwig zusammen mit AfD-Chefin Weidel – CDU geht auf DistanzVeröffentlicht am 04.08.2025Lesedauer: 3 MinutenEine Denkfabrik aus dem Umfeld von Ungarns Ministerpräsident Orbán hatte geladen, neben AfD-Parteichefin Weidel nahm dort auch die CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig aus Brandenburg teil. Ihre Partei geht auf Distanz. Ludwig selbst sieht in dem Treffen kein Problem.Die Führung der Unionsfraktion geht auf Distanz zur viel kritisierten CDU-Abgeordneten Saskia Ludwig aus Brandenburg. Hintergrund sind Bilder, die Ludwig gemeinsam mit AfD-Parteichefin Alice Weidel bei einer Veranstaltung der rechtskonservativen ungarischen Denkfabrik MCC zeigen.„Frau Ludwig hat an der Veranstaltung nicht im Auftrag der Fraktion und ohne Wissen der Fraktionsführung teilgenommen“, sagte eine Sprecherin dem „Tagesspiegel“. „Der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gilt und schließt jede Zusammenarbeit mit der AfD aus. An diesen ist jedes CDU-Mitglied gebunden.“Das Mathias Corvinus Collegium (MCC) gehört zum Umfeld von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Die Journalistin Annika Brockschmidt hatte im sozialen Netzwerk Bluesky berichtet, Ludwig sei am vergangenen Freitag Teil eines MCC-Panels gewesen. Weidel habe im Publikum in der ersten Reihe gesessen. Auch bei dem Nachrichtendienst X wurden entsprechende Fotos häufig geteilt und viel kommentiert. Die Bilder zeigen Weidel und Ludwig im augenscheinlich freundlichen Gespräch. Ludwig habe gesagt, in Westdeutschland gelte es als teuflisch, die Brandmauer zwischen AfD und CDU als Problem zu bezeichnen. Es werde noch viel Zeit brauchen, das Thema in der CDU zu diskutieren. Eine Bestätigung für die Zitate gibt es nicht. Ludwig und das MCC ließen Anfragen am Sonntag unbeantwortet. Ludwig verweist auf freien MeinungsaustauschEin Sprecher der CDU-Abgeordneten verwies auf Zitate im Onlineportal „Nius“. „Freier Meinungsaustausch ist ein zentrales Element einer demokratischen Gesellschaft“, sagte Ludwig dort. „Deshalb war es für mich selbstverständlich, mich mit verschiedensten Besuchern auszutauschen, ohne Angst vor Repressionen haben zu müssen.“ Nach Angaben ihres Sprechers war es ihr zweiter Besuch einer MCC-Veranstaltung.Grüne Jugend fordert Ausschluss von LudwigDie Grüne Jugend verlangt unterdessen den Ausschluss von Ludwig aus der Unions-Bundestagsfraktion. Die Union habe in ihren Reihen ein Problem beim Umgang mit Rechtsextremen, sagte der Co-Chef der Grünen-Nachwuchsorganisation, Jakob Blasel, der dpa. „Der einzig richtige Schluss kann daher nur sein, für unsere Demokratie einzustehen und Saskia Ludwig aus der Fraktion zu werfen. Die Brandmauer muss stehen!“Plagiatsvorwürfe nun auch gegen die CDU-AbgeordneteLudwig hatte sich vor der Bundestagswahl für eine Koalition von Union und AfD ausgesprochen. Brandenburgs CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann sagte dem „Tagesspiegel“ nun, es gebe einen klaren Parteitagsbeschluss, der Koalitionen mit Zusammenarbeit mit der AfD ausschließe. „Wer daran etwas ändern will, muss eine neue Mehrheit organisieren. Die sehe ich nicht einmal im Ansatz.“CDU-Chef Friedrich Merz machte schon mehrfach klar, dass es für ihn keine Zusammenarbeit mit der AfD geben wird. Als designierter Parteichef drohte Merz im Jahr 2021 kooperationswilligen Christdemokraten mit Parteiausschluss.Lesen Sie auchLudwig gilt als eine der größten Kritikerinnen der SPD-Verfassungsrichterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf. Die CDU-Abgeordnete hatte auch Konsequenzen gefordert, als Plagiatsvorwürfe gegen die Juristin auftauchten. Auf Portal X forderte Ludwig, solange Plagiatsvorwürfe gegen die Juristin nicht restlos ausgeräumt seien, müsse sie ihr Amt am Lehrstuhl ruhen lassen. Mittlerweile werden aber auch Vorwürfe gegen die CDU-Politikerin selbst geprüft. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete am 20. Juli, der Journalist Jochen Zenthöfer habe bei der Prüfung von Ludwigs Dissertation zahlreiche ungekennzeichnete Textübernahmen festgestellt. Die Arbeit von 2007 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Potsdam enthalte auf den ersten 113 Seiten mindestens 86 nicht gekennzeichnete Übernahmen.Die Universität Potsdam hat mittlerweile eine Untersuchung dazu eingeleitet. dpa/krott/saha