PfadnavigationHomeWirtschaftLaxe Strafverfolgung„Tätergruppen fahren gezielt durch Innenstädte“ – Einzelhandel klagt über BandenkriminalitätVeröffentlicht am 06.08.2025Lesedauer: 2 MinutenDer Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, beklagt Ladendiebstähle durch kriminellen Banden. So würden Tätergruppen gezielt durch Innenstädte fahren. Dem Handel entstand dadurch allein 2024 ein Schaden von etwa 3 Mrd. Euro.Bandenkriminalität, aggressive Einzeltäter, eingestellte Strafverfolgung: Der Handelsverband schlägt angesichts steigender Fälle von Ladendiebstahl Alarm. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth fürchtet gar „Zustände wie in den USA“.Der Einzelhandel in Deutschland klagt über deutlich mehr Ladendiebstähle und eine zu laxe Strafverfolgung der Täter. „Der Schaden durch Ladendiebstahl lag 2024 bei drei Milliarden Euro – 20 Prozent mehr als 2022“, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), dem Nachrichtenportal t-online.Zum einen gebe es hochprofessionelle Bandenkriminalität. „Tätergruppen fahren gezielt durch Innenstädte, stehlen hochwertige Ware – Parfüm, Schuhe, Elektronik – und verkaufen sie auf dem Graumarkt“, sagte Genth. Zum anderen gebe es mehr aggressive Einzeltäter, die Mitarbeiter angriffen, wenn sie erwischt werden.Lesen Sie auchBei der Strafverfolgung sieht Genth Defizite. „Händler erstatten Anzeige, und die Staatsanwaltschaften stellen anschließend aus Effizienzgründen ein. In der Konsequenz melden viele Händler frustriert viele Ladendiebstähle nicht mehr bei der Polizei“, so Genth weiter. „Deshalb ist die Dunkelziffer extrem hoch: 98 Prozent der Diebstähle werden nicht angezeigt.“Genth forderte gesetzliche Änderungen, Investitionen in Sicherheit und eine bessere Ausstattung der Justiz. „Ich fürchte Zustände wie in den USA, wo fast alles hinter Glas liegt. Das ist ein Ausdruck von Misstrauen gegenüber allen Kunden – obwohl über 90 Prozent ehrlich sind.“ Der Staat müsse deshalb die Strafverfolgungsbehörden besser ausstatten.Laut EHI nimmt zudem wegen der zuletzt schlechten wirtschaftlichen Lage die Zahl der Menschen zu, „die sich bestimmte Produkte nicht mehr leisten können oder wollen“. EHI-Experte und -Studienautor Frank Horst sagte Ende Juni bei Vorstellung des Berichts: „Immer häufiger klauen auch Senioren und Familien.“ Lesen Sie auchEin Grund für den Anstieg ist der Personalmangel. Vor allem in kleineren Läden ist häufig nur eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter im Einsatz, muss aber mehrere Aufgaben erfüllen und kann oft genug nicht schnell reagieren.Manche Experten sind überzeugt, dass die Selbstbedienungskassen, die immer mehr in Geschäften zu finden sind, häufigeren Diebstahl erleichtern. Es sei davon auszugehen, dass der Ladendiebstahl um 15 bis 30 Prozent höher liege als an bedienten Kassen, sagte EHI-Experte Horst zu Jahresbeginn. HDE-Chef Genth weist das nun zurück: „Diesen Zusammenhang können wir nicht bestätigen.“dpa/lay