PfadnavigationHomeSportDarja VarfolomeevDie deutsche Olympiasiegerin hat noch nie eine Disco von innen gesehenVon Sten HornigVeröffentlicht am 01.08.2025Lesedauer: 4 MinutenDarja Varfolomeev nimmt sich noch mal ein Jahr Pause von der Schule – auch wegen der Weltmeisterschaften im nächsten Jahr in FrankfurtQuelle: Getty Images/Jamie SquireDarja Varfolomeev ist einer der großen Stars bei den Finals in Dresden. Die deutsche Olympiasiegerin in der Rhythmischen Sportgymnastik hat ihren Sport fast im Alleingang aus der Nische geholt. Im Gespräch erzählt sie, was ihr Triumph alles nach sich gezogen hat – sogar am Flughafen.Wenn Darja Varfolomeev im Rampenlicht der Wettkampffläche steht, die Musik aus den Lautsprechern tönt und sie mit Keulen, Reifen, Ball oder Band loslegt, verwandelt sie sich. Vier Geräte, vier Rollen. Bei Alex Gaudinos „Destination Calabria“ avanciert sie mit den Keulen zur Partyqueen – im Leben außerhalb der Rhythmischen Sportgymnastik aber hat die 18-Jährige noch nie eine Disco von innen gesehen. Dafür fehlen ihr Zeit und Lust. Bei ihrem Sport aber kann sie alles sein. Und vor allem kann sie eines: verzaubern.Derzeit zieht sie in Dresden die Blicke auf sich. Bei den deutschen Meisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik hat sie den Titel im Mehrkampf erobert, zum dritten Mal Gold seit 2022 im Vierkampf aus Reifen, Ball, Band und Keulen. Die Stadt zeigt sich in dieser Woche von ihrer sportlichsten Seite: Unter der gemeinsamen Marke „Finals 2025“ kämpfen bis Sonntag rund 3400 Athleten in 20 Sportarten um 133 deutsche Meistertitel. Und während ARD und ZDF insgesamt 96 Stunden live senden, liegt genau ein Jahr nach Paris ein Hauch von Olympia in der Luft – nicht zuletzt durch den Glanz, den Olympiasiegerin Varfolomeev mitbringt.Aber auch durch außergewöhnliche Orte. Besonders die Wettkampfstätten an Touristenmagneten sorgen für den speziellen Charakter der „Finals“. Triathlon und Bogenschießen vor der Semperoper, Klettern, Breaking und 3x3-Basketball vor der Frauenkirche, Coastal Rowing auf der Elbe – Dresden wird zur Leinwand für bewegte Bilder, die an das medienwirksame Konzept der Pariser Sommerspiele 2024 erinnern.Varfolomeev bekommt rund 200 Autogrammwünsche und Fanpost in der WocheVarfolomeev gewann in Paris als 17-Jährige Gold. Artistisch und anmutig zugleich verzauberte sie die Zuschauer. Ein Jahr später zählt die Schülerin aus Schmiden in Baden-Württemberg, die mit 13 einst für den Sport aus Sibirien nach Deutschland zog, zu den Stars der „Finals“ in Dresden. Deutschlands Sportlerin des Jahres hat es geschafft, binnen kurzer Zeit eine Sportart fast im Alleingang aus der Nische zu holen. „Es freut mich einfach, dass unser Sport jetzt viel bekannter geworden ist“, erzählt sie WELT AM SONNTAG. „Mittlerweile ist es auch so, dass bei Kontrollen am Flughafen die Leute nicht mehr denken, wir machen Hula-Hoop, wenn sie meinen Reifen sehen. Viele wissen nun direkt, dass es Rhythmische Sportgymnastik ist. Auch auf der Straße werde ich jetzt häufiger erkannt.“Lesen Sie auchVon Abgehobenheit aber gibt es keine Spur. „Dascha“ bleibt bodenständig – und dass, obwohl sie wöchentlich rund 200 Briefe mit Autogrammwünschen und Fanpost erreichen. Auch drei neue Sponsoren kamen dazu. „Millionärin bin ich deshalb aber auf keinen Fall“, sagt sie lachend. Und ergänzt: „Ich bin zufrieden, wie es läuft, und kann gut von meinem Sport leben.“Ihr Jahreseinkommen soll nach Informationen von WELT aber dennoch weit unter dem anderer deutscher Sportstars liegen. Leichtathletin Alica Schmidt erzielt trotz geringerer Erfolge beispielsweise über Werbung und soziale Medien deutlich höhere Summen. Ihr Monatseinkommen soll geschätzt bei 50.000 Euro liegen. Auch die Gymnastin könnte in ähnliche Regionen vorstoßen. Doch dafür hat sie vor allem im nacholympischen Jahr schlicht und einfach keine Zeit.Lesen Sie auchBis zu 36 Stunden Training stehen bei ihr pro Woche auf dem Programm. Dazu waren die vergangenen Monate vor allem durch die Schule geprägt. „Vor Paris hatte ich ein Jahr Pause gemacht. Jetzt habe ich meinen Realschulabschluss nachgeholt“, erzählt sie. „Das gemeinsam mit dem Sport perfekt zu machen, war sehr schwierig. Aber ich habe es am Ende mit einem guten Durchschnitt und einer Belobigung beendet.“ Und es soll weitergehen: Varfolomeev will nach der Mittleren Reife „noch einen besseren Abschluss“, um später studieren zu können.Zunächst liegt die volle Konzentration aber wieder auf ihrer Leidenschaft. „Ich nehme mir noch mal ein Jahr Pause von der Schule – auch wegen der Weltmeisterschaften im nächsten Jahr in Frankfurt.“ Vor den eigenen Fans will sie dann erneut richtig glänzen.Die diesjährige WM in Rio de Janeiro/Brasilien (20. bis 24. August) gilt nur als Zwischenstation. Dass dies erneutes Edelmetall nicht ausschließt, ist selbstredend. Doch Varfolomeev weiß um ihr volles Programm der vergangenen Wochen. Neben Training und Schule gehörte auch die Führerscheinprüfung dazu. Die Theorie hat sie bestanden, nach der WM soll die Praxis folgen. „Ich hoffe“, sagt sie, „Ende des Jahres ein eigenes Auto zu haben. Das wäre eine große Veränderung für mich.“Wie auf der Turnbühne setzt sie trotz ihrer Begeisterung für schnelle deutsche Fahrzeuge auch da zunächst auf Understatement. „Am Anfang lernt man noch viel. Da passieren auch Fehler, bei denen man vielleicht den einen oder anderen Kratzer macht. Deswegen muss es noch nicht direkt das Wunschauto sein…“Dass ihr Leben auch für Verzicht steht, stört sie nicht. Disco-Besuche zum Beispiel wären eh nicht ihr Ding. „Vielleicht später mal, wenn ich mit der Rhythmischen Sportgymnastik aufhöre“, sagt sie. Aktuell bin ich lieber gemütlich zu Hause oder gehe mal ins Kino. Denn dafür habe ich auch nicht viel Zeit.“ Die Partyqueen spielt sie schließlich auch beim Wettkampf.
Darja Varfolomeev: Die deutsche Olympiasiegerin hat noch nie eine Disco von innen gesehen - WELT
Darja Varfolomeev ist einer der großen Stars bei den Finals in Dresden. Die deutsche Olympiasiegerin in der Rhythmischen Sportgymnastik hat ihren Sport fast im Alleingang aus der Nische geholt. Im Gespräch erzählt sie, was ihr Triumph alles nach sich gezogen hat – sogar am Flughafen.







