PfadnavigationHomePanoramaKünstliche BefruchtungEmbryo vor 30 Jahren eingefroren – jetzt wurde das „älteste Baby der Welt“ geborenVeröffentlicht am 04.08.2025Lesedauer: 3 MinutenEin Neugeborenes in einem KrankenhausQuelle: Getty Images/Sally AnscombeEin Paar in den USA hat einen Embryo adoptiert, der mehr als 30 Jahre lang eingefroren war. Jetzt brachte die Frau das „älteste Baby der Welt“ zur Welt. Ein Wissenschaftsmagazin berichtet über den außergewöhnlichen Fall.Im Jahr 1994 hatte Linda Archerd bereits sechs Jahre lang vergeblich versucht, schwanger zu werden. Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie sich damals für eine künstliche Befruchtung. „Die Leute kannten das noch nicht“, erinnert sich Archerd nun gegenüber dem „Technology Review“-Magazin des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Viele hätten gefragt: „Was machst du da?“Die Methode der künstlichen Befruchtung entstand in den 1970er-Jahren. Dabei werden der Frau nach hormoneller Stimulation mehrere Eizellen entnommen, die außerhalb des Körpers – in einem Reagenzglas – mit Spermien zusammengebracht und befruchtet werden. Die Erfolgsaussichten liegen pro Zyklus bei etwa 40 Prozent – unter optimalen Bedingungen sogar bei bis zu 50 Prozent.„Meine drei kleinen Hoffnungen“Bei Archerd wurden vier Embryonen erzeugt. Einer davon wurde ihr eingesetzt – und führte zur Geburt einer gesunden Tochter, die heute längst erwachsen ist. „Ich hatte das große Glück, ein Baby zu bekommen“, erzählt Archerd. Die drei übrigen Embryonen wurden eingefroren und in einem Lagertank aufbewahrt und kryokonserviert, also haltbar gemacht.Ursprünglich wollte Archerd die eingefrorenen Embryonen selbst verwenden, um noch einmal Mutter zu werden: „Ich nannte sie meine drei kleinen Hoffnungen.“ Doch ihr Ehemann sah das anders. Archerd ließ sich scheiden – und bewahrte die Embryonen weiterhin auf, in der Hoffnung, irgendwann mit einem neuen Partner doch noch ein weiteres Kind bekommen zu können.Lesen Sie auchDie Lagerung der Eizellen kostete Archerd rund 1000 US-Dollar pro Jahr. Als ihre Wechseljahre einsetzten, wurde ihr klar, dass eine Schwangerschaft für sie nicht mehr infrage kam. Die Option, die Embryonen der Forschung zu spenden, schloss sie aus. Auch anonymen Empfängern wollte sie ihre „drei kleinen Hoffnungen“ nicht überlassen.Lesen Sie auchAls Archerd von der Embryoadoption erfuhr, habe sie eine Entscheidung gefällt. Denn: Sowohl Spender als auch Empfänger können mitbestimmen, wem sie ihre Embryonen überlassen oder von wem sie ihn adoptieren. Eine Vermittlungsagentur fand für Archerd ein Paar, das ihren Vorstellungen entsprach. Sie bevorzugte ein verheiratetes, weißes, christliches Ehepaar, das in den USA lebt. „Ich wollte nicht, dass sie das Land verlassen“, sagt Archerd „Und Christ zu sein, ist mir sehr wichtig, weil ich es bin“. Paar aus Ohio adoptiert 30 Jahre alten EmbryoLindsey und Tim Pierce hatten zu dem Zeitpunkt bereits sieben Jahre lang versucht, ein Kind zu bekommen. Als sie von der Möglichkeit erfuhren, einen 30 Jahre alten Embryo zu adoptieren, waren sie zunächst überrascht. „Wir wussten gar nicht, dass man schon vor so langer Zeit Embryonen eingefroren hat“, sagt Lindsey im Interview mit „Technology Review“. Doch sie entscheiden sich für den Versuch. Eine Klinik in Tennessee führte das Einsetzen des Embryos schließlich durch. Und tatsächlich entwickelte sich der Embryo zum Fötus.Der Junge ist am 26. Juli in Ohio gesund zur Welt gekommen und Spenderin Archerd freut sich darauf, ihn kennenzulernen: „Als Lindsey mir seine Fotos schickte, fiel mir sofort auf, wie sehr er meiner Tochter als Baby ähnelt“, sagt sie. „Ich habe mein Babybuch herausgeholt und die Bilder nebeneinander gestellt, und es besteht kein Zweifel, dass sie Geschwister sind.“Kinderwunschbehandlungen gewinnen in auch Deutschland an Bedeutung. Nach den aktuellsten Zahlen des Deutschen IVF-Registers kamen von 1997 bis 2022 mehr als 400.000 Kinder durch In-vitro-Fertilisation (IVF) zur Welt. Bei dieser Methode findet die Befruchtung oft im Reagenzglas statt.ly