PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungFilmförderungDer Bundesfinanzminister hat die Zeichen der Zeit nicht erkanntVeröffentlicht am 31.07.2025Lesedauer: 2 MinutenWELT-Autor Tobias BlankenQuelle: Marlene Gawrisch/WELTDeutschland muss sparen – und verdoppelt zugleich die Filmförderung. Doch die Regierungstechnik der alten Bundesrepublik, Probleme so lange mit Geld zu beschmeißen, bis sie sich auflösen, kann das Land sich nicht mehr leisten.In den höchsten Tönen äußerte sich Lars Klingbeil über die hiesige Bewegtbildproduktion. „Deutschland hat eine großartige Filmszene“, so der Bundesfinanzminister aus dem niedersächsischen Munster. Ob die Filmwirtschaft tatsächlich Großartiges leistet, mag jeder Zuschauer für sich beurteilen. Wann war man das letzte Mal von einem deutschen Film so fasziniert, dass man sich ihn gleich zweimal im Kino angeschaut hat? Wann hat einen eine deutsche Serie so gefesselt, dass man sie an einem Wochenende gebingewatcht hat? Wann hat einen ein deutsches Filmprodukt so angefixt, dass man Freunde damit genervt hat, dass sie es sich unbedingt auch anschauen müssen? Und, ja, es gibt einzelne Produktionen, die diese Kriterien womöglich erfüllen.Wer den Satz „Deutschland hat eine großartige Filmszene“ jedoch – anzunehmen ist: eher unfreiwillig – widerlegt hat, war Klingbeil selbst. Denn der SPD-Mann hat ihn diese Woche verwendet, als er gemeinsam mit dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer („Wir brauchen mehr Blockbuster und Serienhits made in Germany, diese Reform ist der Soundtrack zum Aufbruch“) eine Verdoppelung der Filmförderung des Bundes verkündete – auf dann 250 Millionen Euro jährlich allein über die beiden großen Filmförderfonds. Denn eine Filmszene ist wahlweise großartig – oder sie benötigt eine Verdoppelung der Subventionen, beides kann gleichzeitig nicht zutreffen. Entweder, oder.Mehr noch, Klingbeil spricht durch die Verdopplung der Subventionen nicht nur implizit der Filmwirtschaft die internationale Wettbewerbsfähigkeit ab, er zeigt auch, dass er, der Bundesfinanzminister, die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Denn die gute, alte Regierungstechnik der alten Bundesrepublik, Probleme so lange mit Geld zu beschmeißen, bis sie sich auflösen, kann das Land sich nicht mehr leisten – zu groß sind die Finanzlöcher bei Bund, Ländern, Kommunen und den Sozialversicherungen.Lesen Sie auchNatürlich mag eingewendet werden, dass es bei der Filmförderung doch nur um Hunderte Millionen geht, die Finanzierungslücken sich jedoch über alle staatlichen Ebenen auf Hunderte Milliarden belaufen. Von wegen, das macht den Braten jetzt auch nicht mehr fett. Aber das verkennt, dass eine gesamtstaatliche Konsolidierung dann gelingt, wenn alle sparen müssen. Wenn allen klar ist, dass der Staat über alle Bevölkerungsgruppen hinweg seine Ausgaben zurückfahren muss.Es hilft alles nichts: Die deutsche Filmwirtschaft muss lernen, ohne zusätzliche Subventionen international wettbewerbsfähig zu werden. Und, noch wichtiger, sie muss endlich wieder Filme produzieren, die tatsächlich so großartig sind, dass man sie zwei- oder dreimal im Kino anschauen will.