PfadnavigationHomeRegionalesHamburgStadtentwicklung und NaturschutzHamburg meldet Fortschritte beim Erhalt von Stadtgrün – Opposition spricht von „Schönfärberei“Veröffentlicht am 29.07.2025Lesedauer: 4 MinutenHamburg achtet auch in neu entstehenden Wohngebieten vermehrt aufs Grün. „Ein Erfolg des Vertrags für Hamburgs Stadtgrün“Quelle: Christian Charisius/dpaZehn Prozent Naturschutzfläche, neue Parkanlagen, digitales Monitoring – Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank sieht zentrale Ziele im Grünerhalt erreicht. Die CDU hingegen kritisiert fehlende Mittel in den Bezirken.Am Anfang stand der Protest. Als sich 2018 die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ formierte, waren Unmut und Sorge über die zunehmende Bebauung von Parks, Kleingärten und Grünzügen in der wachsenden Stadt groß. Hamburg hatte sieben Jahre aktiver Bauaktivität hinter sich, es gerieten zunehmend Bereiche der Stadt in den Fokus, die bisher der Natur oder der naturnahen Nutzung überlassen waren. Die Initiative traf einen Nerv, zehntausende Hamburger unterschrieben, und zwangen Bürgerschaft und Senat zum Handeln. Aus dem zivilgesellschaftlichen Druck entstand ein politischer Kompromiss, der 2019 zum „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ führte. Regelmäßig zieht die Umweltbehörde Bilanz – und sieht in diesem Jahr viele der damals formulierten Ziele bereits erreicht. Der Vertrag verpflichtet seit 2021 alle relevanten Akteure, von den Fachbehörden über die Bezirksämter bis hin zu städtischen Unternehmen, konkrete Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Weiterentwicklung des Stadtgrüns umzusetzen. Dazu gehören unter anderem die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete, die ökologische Aufwertung bestehender Flächen, ein Monitoring der Flächenversiegelung sowie die Entwicklung eines Systems zur Bewertung von Biotopen und Lebensräumen. Lesen Sie auchAm Dienstag stellte Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) den aktuellen Monitoringbericht vor – und zog eine selbstbewusste Bilanz: Man habe fast alle gesetzten Ziele schon erreicht. „Und das, obwohl Hamburg inzwischen über 1,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner hat, die Stadt noch weiter wächst und die Flächenkonkurrenz immer größer wird.“ Besonders stolz zeigte sie sich über die Ausweisung von zehn Prozent der Landesfläche als Naturschutzgebiet – mehr als das gesamte Hafengebiet. Insgesamt zählt Hamburg nun 38 Naturschutzgebiete mit rund 7800 Hektar Fläche. Auch das Grüne Netz mit zwei Ringen und zwölf Landschaftsachsen sei gesichert, ebenso wie mehr als 2600 Hektar öffentliche Parkanlagen – mit einem Zuwachs von sieben Hektar allein im vergangenen Jahr. Versiegelungsmonitoring nimmt 2022 in den BlickEin weiteres zentrales Projekt ist das neue Versiegelungsmonitoring, das mithilfe künstlicher Intelligenz Luftbilder auswertet. Drei Jahre hat es gedauert, das System so zu programmieren, dass es verlässliche Daten liefert. Für das ausgewertete Jahr 2020 zeigte es zuletzt 31 Prozent versiegelte Flächen an. Die Auswertungen für das Jahr 2022 sollen bis spätestens kommendes Jahr folgen. Danach beabsichtigt die Behörde jährlich Luftbilder auszuwerten. Ziel sei es, daraus künftig konkrete Entsiegelungspotenziale abzuleiten, etwa bei Neubauvorhaben. Während Fegebank hauptsächlich das Erreichte lobte, kritisierte die CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, dass die Realität in den Bezirken anders aussehe als die präsentierte „Hochglanzbilanz“. Sandro Kappe, umweltpolitischer Sprecher der CDU, sagte: „Auch der diesjährige Bericht liest sich wie ein Werbeprospekt – doch in den Bezirken ist vom angeblichen Aufschwung wenig zu spüren. Es fehlt schlichtweg am Geld.“ Besonders bei der Pflege von Grünanlagen und Gewässern mangele es an Mitteln. Laut Kappe plant der Senat für das Jahr 2025 mit einem Mitteldefizit von 35 Prozent im Bereich Grünerhalt – ein Widerspruch zum eigenen Anspruch. Lesen Sie auchFegebank räumte auf Nachfrage ein, dass die Finanzierung der Bezirke ein „Thema“ sei, das erkannt worden sei. Sie verwies auf das neue „Erhaltungsmanagement Grün“, das zunächst im Bezirk Bergedorf starte und dann auf alle Bezirke ausgeweitet werden soll. Ziel sei es, Pflege und Entwicklung von Grünflächen künftig digital und datengestützt zu steuern – und dabei auch die Finanzierung zu verbessern. „Ich sehe da einen ganz großen Bedarf“, sagte Fegebank. „Das wird sicherlich auch Thema unserer Haushaltsgespräche sein.“ Sie betonte zugleich, dass die Bezirke „oft die Profis vor Ort“ seien und man ohne sie „überhaupt nicht arbeiten“ könne. Die CDU verweist unterdessen auf Empfehlungen der bundesweiten Gartenamtsleiterkonferenz, die Investitionen von 1,20 bis 4,50 Euro pro Quadratmeter empfiehlt – Hamburg liege mit weniger als einem Euro deutlich darunter. „Wer den Erhalt des Stadtgrüns ernst meint, muss auch ernsthaft investieren“, so Kappe. Auch bei der Gewässerpflege sei die Finanzierung unzureichend. Das Bezirksamt Wandsbek habe in mehreren Drucksachen auf strukturelle Unterfinanzierung hingewiesen – doch der Senat reagiere nicht.Einzelne Baustellen bleibenDie Umweltsenatorin konterte, dass man mit dem Vertrag nicht nur den Bestand sichern, sondern die Qualität des Stadtgrüns weiterentwickeln wolle. Dazu gehöre auch die Verbesserung des Biotopwerts in Naturschutzgebieten, die bereits begonnen habe. Zwar gebe es bei der Modernisierung alter Landschaftsschutzgebietsverordnungen noch Rückstände – viele stammen aus den 1950er-Jahren –, doch insgesamt sei Hamburg auf einem guten Weg. „Wir dürfen laut Vertrag nicht hinter den erreichten Stand zurückfallen“, sagte Fegebank. „Die Fläche, die da ist, wird perspektivisch immer hochwertiger.“Fegebank bezeichnete den Vertrag als wichtigen Baustein für Hamburgs langfristige Grünstrategie. Aus Sicht der CDU bleibt offen, ob die vereinbarten Ziele ohne zusätzliche Mittel für die Bezirke dauerhaft umgesetzt werden können.