PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungSpitzenforschungWir müssen die besten Wissenschaftler nach Deutschland holenVon Dorothee BärVeröffentlicht am 27.07.2025Lesedauer: 4 MinutenDeutschland will auch junge Spitzenforscher anwerbenQuelle: picture alliance/dpa/3M Deutschland GmbH/SeventyFourSchon jetzt ist Deutschland der zweitattraktivste Wissenschaftsstandort weltweit. Die Bundesregierung will diese Position ausbauen mit einem Programm, das 1000 Spitzenforscher aus aller Welt nach Deutschland holt. Ein Gastbeitrag von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär.Warum ist Wissenschaftsfreiheit so essenziell? Bei der diesjährigen Nobelpreisträger-Tagung in Lindau konnte man die Antwort mit Händen greifen. Einerseits traf ich diese großartigen Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger aus aller Welt, die gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Tagung der Extraklasse erlebten. Andererseits blieben einige Stühle leer, weil Geladene aus den USA gar nicht erst abgeflogen waren aus Angst, auf dem Rückweg nicht mehr einreisen zu dürfen. Als Transatlantikerin besorgt mich die aktuelle Lage sehr, aber ich will nicht stecken bleiben in diesem Gefühl, sondern etwas tun, das Betroffenen von dort genauso hilft wie aus anderen Ländern weltweit, wenn sie einen sicheren Hafen der Wissenschaftsfreiheit suchen. Diesen Hafen haben wir zum Glück in Deutschland, er ist sogar verfassungsrechtlich garantiert. Mit dem 1000-Köpfe-Plus-Programm (im Englischen: Global Minds Initiative Germany) aus dem Koalitionsvertrag geben wir dem Ankerplatz jetzt nicht nur einen Namen und vor allem einen Impuls, der in unser Wissenschaftssystem hinein und weit darüber hinaus wirken soll. Wir senden das Signal: Bei uns hat Freiheit einen Platz. Bei uns haben Exzellenz und Leistung einen Platz. Bei uns ist willkommen, wer diese Werte leben will. Schon jetzt sind wir der zweitattraktivste Wissenschaftsstandort weltweit.Aus genau diesem Grund ist das 1000-Köpfe-Plus-Programm gedanklich eng verknüpft mit unserer Hightech-Agenda Deutschland. Wenn wir bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz oder Mikroelektronik an der Weltspitze mitspielen wollen, ist internationaler Austausch nicht nur wünschenswert, er ist unverzichtbar. Austausch heißt dann auch: Viele werden kommen, um zu bleiben – andere werden vielleicht nach ihrer Forschung in Deutschland in andere Länder weiterziehen, so webt sich das internationale Netzwerk unserer Wissenschaft. Wer einmal hier war, der wird uns verbunden bleiben, wir gewinnen so oder so. Aber das Kommen, das Ankommen und das Wurzeln schlagen – das passiert eben nicht von allein. Wir müssen das Beste bieten, um für die Besten attraktiv zu sein und um sie willkommen zu heißen. Das heißt konkret: ein breites Spektrum von Karriereoptionen eröffnen, Talente und Stars einladen, auf Zeit oder auf Dauer, von frühen Postdocs unmittelbar nach der Promotion über etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis hin zu Spitzennamen für Spitzenprofessuren. Ich bin sehr dankbar, dass wir mit der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft international hoch anerkannte Wissenschaftsorganisationen haben, auf deren Erfahrung und Programme wir aufbauen können. Klar ist, es geht um Exzellenz in jedem Einzelfall. Doch es geht auch um die Rolle von Kooperationen: gemeinsam den Krebs besiegen, gemeinsam den ersten Fusionsreaktor entwickeln, gemeinsam zum Mond fliegen. Das ist fachlich kostbar und geopolitisch in diesen Zeiten gar nicht hoch genug einzuschätzen.Lesen Sie auchAuch die jüngeren Zielgruppen – internationale Studenten und Promovenden – nehmen wir in den Blick. Für sie wird sich der Deutsche Akademische Austauschdienst um zusätzliche Maßnahmen kümmern, er wird die International Offices und Welcome Center an deutschen Hochschulen stärken. Denn nicht zuletzt geht es um das Ziel, unser bereits sehr attraktives Wissenschaftssystem als Ganzes international noch stärker aufzustellen. In den Rankings der Forschungsstandorte können wir uns momentan sehr gut behaupten, aber wir müssen etwas dafür tun, dass auch die nachrückende Generation ihre Chancen erhält. Das gilt nach außen genauso wie nach innen, und ein faires System kommt dann allen zugute – egal, welcher Herkunft. Das 1000-Köpfe-Plus-Programm ist bewusst auf zehn Jahre und themenoffen angelegt. Das schafft Planungshorizonte und hilft uns, Forschung dauerhaft als Hebel zu nutzen – für Innovationen in ihrer ganzen Breite. Jede Investition in Köpfe und Forschungsinfrastruktur ist dann auch eine Investition in die drei W: Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Wohlstand. Die Finanzen sind das eine, das gesellschaftliche Klima das andere. Ich meine damit eine Kultur, die kluge Köpfe aus dem Ausland wertschätzt und sensibilisiert ist für die Tatsache, dass High Performer auch Familien haben. Sie alle sollen sich willkommen fühlen. Als Bundesregierung wollen wir unser Bestes zur Stärkung der Willkommenskultur beitragen, beispielsweise indem wir Visa- und Aufenthaltstitel-Verfahren digitalisieren. Hinzu kommt, dass die Hochschulen und Forschungseinrichtungen praktische Unterstützung beim Umzug und der Orientierung vor Ort anbieten. Dafür steht das „Plus“ im Namen, und das macht die Initiative zum Nukleus eines breiteren wissenschaftspolitischen Wandels, der weitere Entwicklungen antreibt. Deshalb freuen wir uns auf viele Köpfe. Und vielleicht wird aus dem Plus ja im Laufe der Legislaturperiode noch ein Plus-Plus.Dorothee Bär (CSU) ist Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Spitzenforschung: Wir müssen die besten Wissenschaftler nach Deutschland holen - WELT
Schon jetzt ist Deutschland der zweitattraktivste Wissenschaftsstandort weltweit. Die Bundesregierung will diese Position ausbauen mit einem Programm, das 1000 Spitzenforscher aus aller Welt nach Deutschland holt. Ein Gastbeitrag von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär.






