PfadnavigationHomePanoramaVorfall in FloridaFestnahme eines Studenten sorgt für Empörung – Polizeivideo zeigt ganzen VorfallVeröffentlicht am 25.07.2025Lesedauer: 5 MinutenEine Polizei-Bodycam zeigt, wie der 22-Jährige von den Beamten festgesetzt wirdQuelle: Bodycam Jacksonville Sheriff Office/Screenshot: WELTEin College-Student in Florida veröffentlicht ein Video, wie er von Beamten aus dem Auto gezerrt wird. Er entfacht damit in den USA erneut eine Debatte über Polizeigewalt. Längere Aufnahmen der Polizei offenbaren die Vorgeschichte.Ein schwarzer College-Student, der offenbar ohne erkennbaren Grund von Polizisten geschlagen und aus seinem Auto gezerrt wird – ein solches Video löst in den USA gerade landesweit Empörung aus und entfacht erneut eine Debatte über Polizeigewalt. Der Vorfall fand bereits im Februar statt, erlangte jedoch erst jetzt größere Aufmerksamkeit, nachdem das Video von der Auto-Kamera des Studenten am vergangenen Wochenende in sozialen Medien viral gegangen war. Erst da wurde der Sheriff auf den Vorfall aufmerksam und leitete eine interne Untersuchung ein, die noch andauert.Auf dem Video aus dem Innenraum des Wagens ist zu sehen, wie der 22-jährige William McNeil Jr. bei einer Verkehrskontrolle von Polizisten in Jacksonville, Florida geschlagen und aus seinem Auto gezerrt wird. Seine Anwälte geben an, der Student habe unter anderem eine Gehirnerschütterung erlitten. Außerdem sei ihm ein Zahn abgebrochen worden. Dieser habe seine Lippe durchbohrt. Die Wunde habe mit mehreren Stichen genäht werden müssen.„An dem Tag wollte ich einfach nur wissen, warum ich überhaupt angehalten wurde und warum ich aus dem Auto aussteigen sollte“, erklärte McNeil nun bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner Familie und Bürgerrechtsanwälten in Jacksonville. „Ich wusste, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich hatte einfach nur Angst.“Lesen Sie auchMcNeil studiert Biologie und war Mitglied der Marching Band des Livingstone College, einem historisch schwarzen, christlichen College in Salisbury, North Carolina. Viele Redner der Pressekonferenz äußerten die Hoffnung, dass der Fall zu Konsequenzen führen wird – damit sich so etwas wie bei McNeil nicht wiederholt. „Jeder sollte sich bewusst machen: Das hätte auch uns passieren können“, sagte der Bürgerrechtsanwalt Gerald Griggs. „Das hätte ich sein können. Das hättest du sein können.“Doch so eindeutig, wie das Video von McNeil auf den ersten Blick aussieht, ist der Sachverhalt womöglich nicht. Eine separate Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluss, dass die Beamten keine Straftat begangen hätten – ein Ergebnis, das von McNeils Anwälten wiederum scharf kritisiert wird. Die Bürgerrechtsanwälte werfen den Behörden vor, den Polizeibericht „frei erfunden“ zu haben.Tatsächlich zeigt das von McNeils Kamera aufgenommene Video nur einen kleinen Teil der Kontrolle. Es beginnt in dem Moment, als der Student darum bittet, mit einem Vorgesetzten der Polizei zu sprechen. Kurz darauf zerschlagen die Beamten die Fensterscheibe, schlagen ihm ins Gesicht, ziehen ihn aus dem Auto und schlagen erneut auf ihn ein. Ein Beamter ringt ihn zu Boden und verpasst ihm laut Polizeibericht sechs Faustschläge auf die Rückseite des rechten Oberschenkels.Lesen Sie auchDoch nun veröffentlichte über sechs Minuten lange Körperkamera-Aufnahmen der Polizisten zeigen, dass McNeil zuvor über Minuten mehrfach aufgefordert wurde, sein Fahrzeug zu verlassen. Während er anfangs noch die Fahrertür geöffnet hatte, schloss er sie später wieder und ließ sie laut Video etwa drei Minuten lang verriegelt, bevor die Beamten letztendlich die Scheibe einschlugen und ihn aus dem Auto zogen. Zuvor verweigerte McNeil dem Polizisten die Herausgabe seines Führerscheins. Wie das Bodycam-Video zeigt, schloss er seine Tür ab, als der Beamte ihn aufforderte, auszusteigen. Die Perspektive der Körperkamera erschwert es jedoch, die Schläge der Polizisten genau zu erkennen.Polizeibericht über Griff nach MesserEin weiterer Streitpunkt im Polizeibericht ist die Behauptung, McNeil habe in Richtung Fußraum gegriffen, wo später ein Messer gefunden wurde. „Der Verdächtige griff in den Fußraum, wo ein großes Messer lag“, schrieb Officer D. Bowers in seinem Bericht. Bürgerrechtsanwalt Ben Crump nannte den Bericht hingegen „eine Erfindung“. McNeil habe „nicht nach irgendetwas gegriffen“. Ein zweiter Beamter bestätigte, dass McNeil seine Hände oben hielt, als Bowers das Fenster einschlug. „Nachdem Officer Bowers die Tür geöffnet hatte, weigerte sich der Betroffene zwar auszusteigen, behielt aber seine Hände oben“, schrieb der zweite Beamte.Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis verteidigte die Vorgehensweise der Beamten und deutete an, das Video sei veröffentlicht worden, um eine bestimmte „Erzählung“ zu bedienen und Aufmerksamkeit in sozialen Medien zu erzeugen. „So läuft das bei solchen Fällen oft“, sagte DeSantis. „Es wird vorschnell geurteilt. Es geht darum, Klicks und Reichweite zu bekommen, indem man Spaltung erzeugt.“Lesen Sie auchDeSantis gab an, das Video selbst nicht gesehen zu haben, aber voll und ganz auf Jacksonvilles Sheriff T.K. Waters zu vertrauen, der die Öffentlichkeit aufforderte, nicht allein aufgrund der Videoaufnahmen zu urteilen. „Wenn jemand die Regeln verletzt, wird er zur Rechenschaft gezogen“, sagte DeSantis.Die Staatsanwaltschaft kam laut dem Sheriff zu dem Schluss, dass die Beamten keine strafbare Handlung begangen hätten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch, dass in den kommenden Tagen ein Vermerk zur Akte von McNeil fertiggestellt werde, der als offizielle Stellungnahme diene. Kurz nach seiner Festnahme hat McNeil laut Sheriff Waters ein Schuldeingeständnis abgegeben – wegen Widerstands ohne Gewaltanwendung sowie Fahrens mit einem suspendierten Führerschein.McNeil selbst sei nie von der Staatsanwaltschaft befragt worden, kritisiert hingegen Bürgerrechtsanwalt Crump. Ein weiterer Anwalt von McNeil, Harry Daniels, nannte die Ermittlungen eine „Reinwaschung“. „Ohne dieses Video wären wir heute nicht hier“, sagte Daniels. „Und wir danken Gott, dass Mr. McNeil den Mut hatte, die Situation aufzunehmen.“Polizei: Die Kameras zeigen nicht allesCrump betonte, sein Mandant habe ruhig reagiert, während die eigentlich zur Deeskalation ausgebildeten Beamten die Situation eskalieren ließen. Der Fall erinnere an die Bürgerrechtsbewegung, als Schwarze häufig angegriffen wurden, wenn sie ihre Rechte einforderten. „Was er gezeigt hat, war ein Rosa-Parks-Moment des 21. Jahrhunderts“, sagte Crump. „Ein Afroamerikaner hatte den Mut zu sagen: ‚Ich verdiene gleiche Gerechtigkeit vor dem Gesetz. Ich verdiene es, wie ein Mensch behandelt zu werden.“Der Sheriff wies wiederum darauf hin, dass die Aufnahmen aus dem Auto nicht das vollständige Geschehen zeige, sondern sie seien durch Perspektive und Entfernung eingeschränkt. „Kameras können nur das aufnehmen, was sichtbar und hörbar ist“, sagte der Sheriff. „Vieles bleibt unklar, weil Kameras nicht zeigen können, was die Beteiligten wissen oder erleben.“AP/saha
Vorfall in Florida: Festnahme eines Studenten sorgt für Empörung – Polizeivideo zeigt ganzen Vorfall - WELT
Ein College-Student in Florida veröffentlicht ein Video, wie er von Beamten aus dem Auto gezerrt wird. Er entfacht damit in den USA erneut eine Debatte über Polizeigewalt. Längere Aufnahmen der Polizei offenbaren die Vorgeschichte.






