Es ist drei Jahre vor Beginn der Olympischen Spiele in Los Angeles kaum möglich, sich der beinahe kindlichen Vorfreude der Angelenos auf dieses Großereignis zu entziehen. Es gibt aber auch fast jeden Tag Neuigkeiten, verkündet in Groß- und Bunt-Buchstaben. Zum Beispiel witzige Fakten: Hey, zum ersten Mal findet Schwimmen in der zweiten Olympia-Woche statt! Oder die Debatte im American Football, ob denn vielleicht NFL-Stars bei der erstmals zugelassenen Variante Flag Football mitmachen könnten.Ist doch schön, wenn man angesichts dessen, worüber man in diesen Tagen sonst so debattiert in den USA, zur Abwechslung eher belanglose Good News im Überfluss erhält – wobei seit dieser Woche klar ist, warum das so ist. Es ist gewissermaßen eine Verneigung vor US-Präsident Donald Trump und dessen Kommunikationskunst: Wer ordentlich Belangloses raushaut, das die Leute dennoch bewegt, darf darauf hoffen, dass die wirklich wichtigen, oft in Hinterzimmern getroffenen Entscheidungen kaum jemand mitkriegt.Das Nationale Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) hat am Montag auf seiner Webseite die aktualisierten Richtlinien für den Sportbetrieb veröffentlicht; unter Punkt 3.3 der USOPC Athlete Safety Policy steht: „Das USOPC wird dafür sorgen, dass Frauen ein faires und sicheres Wettkampfumfeld im Einklang mit der Executive Order 14201 und dem Ted Stevens Olympic & Amateur Sports Act haben werden.“„Als staatlich anerkannte Organisation sind wir verpflichtet, die Erwartungen des Bundes zu erfüllen.“Was das bedeutet, wird klar, wenn man weiß, welchen Titel Trump seiner Executive Order 14201 gegeben hat: „Keeping Men Out of Women’s Sports“ – also: Männer aus dem Frauensport fernhalten. Ohne den Begriff Transgender auch nur ein Mal zu verwenden in dem 27-Seiten-Dokument, ist dies eine Anordnung an alle, die Wettkämpfe unter dem USOPC-Mantel veranstalten, keine Transgender-Leute beim Frauensport zuzulassen, vom Jugend- bis zum Seniorensport. Am Dienstag bestätigte das Nationale Olympische Komitee dies in einer E-Mail: In einem Brief von Geschäftsführerin Sarah Hirshland und Präsident Gene Sykes heißt es, man habe seit der Executive Order, die Trump im Februar unterzeichnet hatte, „eine Reihe respektvoller und konstruktiver Gespräche“ mit Regierungsbeamten geführt: „Als staatlich anerkannte Organisation sind wir verpflichtet, die Erwartungen des Bundes zu erfüllen.“Das klingt resigniert, nach dem Motto: Was sollen wir, bitteschön, tun, wenn es diese Anordnung gibt? Fall erledigt.Die Transgender-Debatte im Sport war nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris in den USA zum Politikum geworden – damals herrschte Wahlkampf. Trump nutzte die Überlegenheit der algerischen Boxerin Imane Khelif im Weltergewicht als Steilvorlage für gezielte Attacken auf seine politische Herausforderin Kamala Harris – denn Sport und Politik sind nicht zu trennen. Unrühmlicher Höhepunkt war die Gratulations-Beleidigung von Trump an Olympiasiegerin Khelif: „Ich möchte der jungen Frau gratulieren, die sich von einem Mann zu einer Frau entwickelt hat. Er … sie hat Gold gewonnen!“Im Februar dann erklärte Trump, inzwischen zum zweiten Mal US- Präsident, den „Krieg gegen den Frauensport“ für beendet, und er legte per Dekret fest: Sein Land werde bei Olympia 2028 kein Visum für „einen Mann ausstellen, der sich betrügerisch als weiblicher Athlet ausgibt“. Dass dies gegen den Ausrichtervertrag verstoßen würde – Punkt 13.2: Unterlassen von Diskriminierung jeder Art? Nebensache für Trump. Mit Unterzeichnung des Dekrets erklärte er die Sache für erledigt; um die Details müssen sich andere kümmern.Der US-Fechtverband hat seine Richtlinien bereits am Freitag angepasstDie Veröffentlichung nebenbei, inmitten anderer, positiver News, mag ein Spielzug aus dem Trump-Handbuch sein. Die überaus vage Formulierung, der Verzicht auf den Begriff Transgender sowie der Was-sollen-wir-denn-machen-Brief wirken allerdings eher wie eine andere Strategie: Nie beschweren, nie erklären – dann ist alles vielleicht schnell vorbei.Der US-Fechtverband jedenfalls hat seine Richtlinien bereits am Freitag angepasst. Er hat offenbar eher als die Öffentlichkeit von der USOPC-Aktualisierung erfahren und sein eigenes Reglement vor der Publikation geändert: Vom 1. August an dürfen Transgender-Frauen nur bei den Männern antreten – genauso wie Nonbinary- und Intersex-Athleten. Auch da hatte es einen Skandal gegeben, der zum Politikum wurde: Bei einem Regionalwettkampf Ende März, nach Trumps Dekret also, hatte sich eine Teilnehmerin geweigert, gegen ihre Transgender-Gegnerin anzutreten – es kam zu einer Anhörung vor dem US-Kongress.„Ich werde mich dem USOPC nicht entgegenstellen“, sagt Fecht-Verbandschef Phil Andrews, der nach dem Turnier im März Todesdrohungen erhalten hatte: „Wir haben im Grunde keine andere Wahl, als die Regeln zu ändern. Wenn das USOPC sagt: Dies ist ab sofort die Richtlinie aller nationaler Verbände, müssen wir uns alle daran halten.“Andere Verbände dürften folgen. Denn seit dem Skandal um den früheren Turn-Sportarzt Larry Nassar, der mindestens 256 junge Frauen sexuell missbraucht hat und den Rest seines Lebens in Haft verbringen wird, hat der US-Kongress weitreichende Befugnisse über das USOPC und die Sportverbände. Seit 2020 – das ist der Part mit dem Ted Stevens Olympic & Amateur Sports Act – kann er Verbände auflösen, die seiner Meinung nach die Sicherheit von Sportlern nicht gewährleisten. Titel der aktualisierten USOPC-Richtlinien: Sicherheit der Sportler.Unklar ist derzeit, was das für US-Bundesstaaten wie Minnesota oder Kalifornien bedeutet, die sich derzeit weigern, Trumps Transgender-Dekret umzusetzen; im Gespräch ist derzeit eine Mixed-Kategorie für Transgender-Athleten. International dürfte die Aktualisierung der Richtlinien im Olympia-Gastgeberland freilich ein klares Zeichen sein – auch im Hinblick auf die Regeln des IOC für 2028. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, Schwimm-Olympiasiegerin aus Zimbabwe, ist seit einem Monat im Amt. Wichtigstes Thema im Wahlkampf: Sicherheit der Athleten im Frauensport.