PfadnavigationHomeRegionalesHamburgOzempic und Co.Kriminelle haben es auf Abnehmspritzen abgesehen – Apotheker spricht von „mafiösen Gesellschaften“Veröffentlicht am 24.07.2025Lesedauer: 2 MinutenEin Mann hält eine große Spritze, während er mit einem Maßband den Umfang des Bauch misst. Die Fotomontage zeigt ein Anwendungsbeispiel für eine AbnehmspritzeQuelle: picture alliance/CHROMORANGE/Michael BihlmayerElon Musk schwört auf sie, Influencer preisen sie an – doch der Boom um Abnehmspritzen ruft auch Kriminelle auf den Plan. Immer wieder tauchen gefälschte Rezepte für Abnehmspritzen auf. Apotheken in Hamburg und Schleswig-Holstein stehen unter Druck.Als Lifestyle-Produkte werden Abnehmspritzen in sozialen Medien beworben und sind begehrt. Gepusht wird die Nachfrage auch durch Promis: Unter anderem der SpaceX- und Tesla-Chef Elon Musk hatte sich öffentlich dazu bekannt, sie zu nutzen. Zwischenzeitlich gab es Lieferengpässe für die Medikamente. Der Hype ruft Kriminelle in Hamburg und Schleswig-Holstein auf den Plan – sie fälschen Rezepte für die gewichtsreduzierend wirkenden Arzneimittel. Mit teuren Folgen für die Apotheken.Gefälschte Rezepte für Produkte wie Ozempic, Wegovy, oder Mounjaro kommen immer wieder vor, sagte ein Sprecher des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein der Deutschen Presse-Agentur. Während die Präparate Ozempic und Mounjaro in erster Linie zur Behandlung von Diabetes gedacht sind, ist Wegovy ein verschreibungspflichtiges Medikament, das beim Abnehmen und Halten von Gewicht helfen soll. In Deutschland sind Diabetes-Medikamente verschreibungspflichtig.Lesen Sie auch„Wir haben den Eindruck, dass die Fälscher regelmäßig organisierte Kriminelle sind – das ist sehr auffällig“, sagte der Sprecher. Die Zahl der Fälschungen habe zuletzt abgenommen: Noch im Frühjahr waren es demnach in seiner Apotheke in Nordfriesland rund drei bis vier gefälschte Rezepte pro Monat – jetzt sei die Zahl auf eins pro Monat gesunken.Die Zahl der gefälschten Rezepte für Ozempic und anderen Präparate sei auch in Hamburg rückläufig, seit die Apotheker mit den Ärzten vereinbart hatten, dass diese nur über fälschungssichere E-Rezepte verordnet werden, sagte Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins der dpa. „Durch die E-Rezepte ist den Fälschern zumeist das Handwerk gelegt.“Dennoch sagt er: „Die Welle rollt weiter, nach wie vor.“ Die Apotheker in Hamburg seien gewarnt und erkennen Fälschungen in der Regel. Unentdeckt bleiben können Fälschungen demnach allerdings schon, sagte Graue. Lesen Sie auchImmer wieder tauchten auch vermutlich aus Praxen gestohlene Rezepte mit realen Namen von Patienten auf. Diese „mafiösen Gesellschaften“ seien schwer zu kontrollieren. „Kriminalität ist wie Wasser – und Wasser dringt irgendwie immer durch.“Anzeigen bei der Polizei hält er aufgrund der Schweigepflicht nicht in jedem Fall für umsetzbar. Zudem stehe es den Apotheken frei, sich an die Polizei zu wenden, eine Verpflichtung gibt es laut Graue nicht. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in den vergangenen beiden Jahren einen Anstieg der Fälle von Rezeptfälschungen beobachtet, mit denen Menschen an gewichtsreduzierend wirkende Arzneimittel kommen wollten. Eine genaue Statistik dazu gibt es laut einem Sprecher aber nicht. lno/juve