PfadnavigationHomeICONISTPartnerschaftHochzeit Bezos und SanchezNeustart mit Grandezza – warum nur einmal groß feiern?Veröffentlicht am 25.06.2025Lesedauer: 6 MinutenBitten zur venezianischen Mega-Hochzeit: Jeff Bezos und Lauren SanchezQuelle: FilmMagic/Taylor HillJeff Bezos und Lauren Sanchez heiraten in Venedig – begleitet von Protesten, Prunk und Pomp. Dass es weder für Sanchez noch für Bezos die erste Hochzeit ist, scheint beide nicht zu stören. Zu Recht.Schon seit Wochen regen sich Proteste gegen das rauschende Fest, das in diesen Tagen in Venedig begangen wird. Vor allem die Gruppe „No Space for Bezos“ wendet sich gegen die Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sanchez. Sosehr sich die Stadt bemüht, Sorgen zu zerstreuen, dass das pompöse Ja-Wort die Lagunenstadt lahmlegen könnte, so hartnäckig kündigt die andere Seite an, die Feierlichkeiten zu stören, bei denen um die 200 Gäste erwartet werden.Eine ebenfalls große und illustre Gästeschar versammelte sich bereits vor elf Jahren in Venedig, um der Hochzeit eines anderen prominenten Paares beizuwohnen: Als George und Amal Clooney hier 2014 einander das Ja-Wort gaben, führte das eher zu Begeisterung und Blitzlichtgewitter als zu nennenswerten Protesten. Gäste wie Matt Damon, Cindy Crawford, Brad Pitt, Bill Murray und Anna Wintour sowie der Bräutigam höchstpersönlich winkten damals von Booten den Schaulustigen auf den Brücken über den Kanälen zu. Drei Tage lang feierte das Paar.Mehr als den Ort ihrer Hochzeiten scheinen die Clooneys – sie Menschenrechtsanwältin, er überzeugter Demokrat – mit dem die Nähe zu Trump suchenden Bezos und der Ex-Moderatorin und Weltraumtouristin Sanchez nicht gemeinsam zu haben. Doch da ist noch ein Detail: Sanchez und Bezos haben jeweils eine Ehe hinter sich, und auch für George Clooney war die Heirat in Venedig nicht die erste. Von 1989 bis 1993 war er mit der Schauspielerin Talia Balsam verheiratet. Und genauso wenig, wie Clooney seine erneute Hochzeit in kleinem Rahmen beging, haben das nun Bezos und Sanchez im Sinn. Warum auch?So kritisch man etwa auf Bezos’ Umgang mit Meinungsfreiheit und den groß inszenierten Weltraumausflug von Sanchez und ihren Freundinnen (unter anderem Katy Perry) auch blicken mag, so irritierend der exaltierte Stil des Paares auch sein mag: In einer Welt, in der Dating-Apps und solche, die dafür gehalten werden (Instagram und LinkedIn etwa), für ein ständiges Gefühl von Unverbindlichkeit sorgen und in der Verbindlichkeit für viele ein Fremdwort geworden zu sein scheint, sollte man das Glück, jemanden gefunden zu haben, der oder die genug Mumm für eine Ehe hat und dafür, vor Zeugen „Ja“ zum Leben an der Seite der oder des Anderen zu sagen, besonders groß feiern.Skeptiker mögen entgegnen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe scheitert, mit Größe, Preis und Aufwand der Hochzeit steigt; Umfragen geben ihnen sogar recht. Selbst die schönste Hochzeit garantiert kein langwährendes Glück, allein in Deutschland wird jede dritte Ehe geschieden. Aber wenn es ohnehin keine Garantie dafür gibt, dass es für immer hält, weshalb sollten sich dann nicht alle, die rauschende Feste lieben, voller Optimismus, Enthusiasmus und – ja, auch Naivität – in eine ausschweifende Hochzeit stürzen, auch wenn es bereits die zweite, dritte oder vierte ist?Einiges spricht dafür, auch beim wiederholten Eheversuch in die Vollen zu gehen: Die Gastgeber haben bestenfalls nicht nur mehr Budget als beim ersten Mal, sondern auch dank all der Hochzeiten, auf denen sie selbst im Laufe der Jahre Gast waren, einen größeren Erfahrungsschatz, aus dem sie schöpfen können. Sie wissen besser, was sie wollen und was nicht, kennen den eigenen Geschmack und haben – hoffentlich – jetzt den Mut, auf Gäste zu verzichten, die man bei der Premiere nur der reinen Höflichkeit halber einlud. Und jedem (wirklich erwünschten) Gast, der noch nicht verheiratet war oder dessen aktuelle Ehe gerade in Trümmern liegt, kann so eine Hochzeit viel Hoffnung schenken.Lesen Sie auchDie Idee, dass ein Fest rund ums zweite, dritte oder vierte Ja-Wort bescheidener ausfallen sollte als das erste, hielt sich erstaunlich lange und hartnäckig. 2008 entzündete sich im Film „Sex and the City“ an der Frage, wie groß eine Hochzeit werden darf, die nicht die erste ist, eine veritable Sinnkrise des Bräutigams. Als Carrie Bradshaw, für die es die erste Ehe ist, immer mehr Gäste einlädt (aus ihrer Sicht vor allem ihrem Brautkleid von Vivienne Westwood geschuldet), platzt es aus ihm, der zuvor schon zweimal verheiratet war, heraus: „Das ist meine dritte Ehe. Wie sehe ich denn dabei aus?“Auch die Frage, was eine Braut, die sich zum wiederholten Mal traut, tragen sollte oder nicht, treibt so manche(n) um. Ein traditionelles weißes Brautkleid an einer geschiedenen Frau galt vielen lange als unpassend. Dass sie zuvor schon einmal verheiratet war, hielt die für Brüche mit Traditionen bekannte Ex-Herzogin Meghan 2018 nicht davon ab, im weißen Kleid mit langer Schleppe zum Altar zu schreiten, um Ex-Prinz Harry zu ehelichen. Angesichts des späteren Bruchs mit der Familie, in die sie einheiratete, dann aber doch eine wenig skandalöse Randnotiz.Lesen Sie auchGleich mehrere Outfits in Weiß trug Heidi Klum, als sie 2019 in Italien ihre Hochzeit mit Tom Kaulitz feierte. Getraut wurde das Paar auf einer mit weißen Blumen geschmückten Yacht vor Capri, sie in einem ausladenden, weißen Kleid mit langem Schleier, er im weißen Anzug. Insgesamt drei Tage lang feierten die modelnde Unternehmerin, für die es die dritte Ehe ist, und der Musiker, der zuvor ein halbes Jahr lang verheiratet war, ihre Hochzeit.Elizabeth Taylor wiederum, die ganze achtmal heiratete (Richard Burton gab sie 1964 und 1975 das Ja-Wort), trug nur bei zwei ihrer Hochzeiten Weiß. Bei ihrer letzten Heirat mit dem zweimal geschiedenen Larry Fortensky erschien sie in einem zartgelben Spitzenkleid von Valentino. Die Farbe schmälerte nicht die Größe des Fests, das auf Michael Jacksons „Neverland“-Ranch stattfand und zu dem circa 160 Gäste erschienen, darunter Nancy Reagan, Liza Minnelli, Eddie Murphy, Quincy Jones und Diane von Furstenberg. Auch unerwünschte Gäste waren zugegen: Ein Paparazzo landete mit einem Fallschirm vor dem Brautpaar, über der Zeremonie kreisten Helikopter.Gerade wenn es nur für einen der Beteiligten nicht das erste Ja-Wort ist, sollte der oder die andere nicht auf eine Traumhochzeit verzichten müssen – wie auch immer dieser Traum aussehen mag. Amal Clooney hatte 2014 genauso wenig Grund zur Zurückhaltung wie der Musiker Keith Urban, dessen Hochzeit mit Nicole Kidman 2006 für ihn die erste war. Umjubelt von Schaulustigen fuhren Braut und Bräutigam in zwei weißen Rolls-Royce vor, die Braut trug ein elfenbeinfarbenes Kleid von Balenciaga mit Schleier. Unter den 230 Gästen waren Hugh Jackman, Naomi Watts und Medienmogul Rupert Murdoch. Ganz schön viel Pomp für eine Hochzeit, die zumindest für Kidman die zweite war. Aber womöglich brauchte sie ja genau das, um nach ihrer schwierigen Scheidung von Tom Cruise hoffnungsvoll ein neues Kapitel zu beginnen.Apropos Hoffnung: Nicole Kidman und Keith Urban sind bis heute verheiratet, genau wie Amal und George Clooney. Auch die Ehe von Heidi Klum und Tom Kaulitz hält – trotz ihrer rauschenden Hochzeitsfeiern – oder genau deshalb.