Das vorläufige Ende ist gleichzeitig eine Premiere. Statt im schummrigen Aufnahmestudio sitzen Annette Ramelsberger und Patrick Bauer zum ersten Mal im grellen Scheinwerferlicht im Werk7. Durch den fabrikhallenähnlichen Raum wabert die drückende Sommerhitze, die Gäste fächeln sich mit ihren Eintrittskarten Luft zu. Über den Köpfen der SZ-Redakteure hängt ein großer Bildschirm, auf ihm flimmern abwechselnd Fahndungsfotos und Bilder von Gerichtsprozessen.
Annette Ramelsberger berichtet seit 1997 für die Süddeutsche Zeitung, seit 2012 ist sie vorwiegend als Gerichtsreporterin tätig. Regelmäßig konfrontiert mit Verbrechen jeglichen Kalibers, sagt die 65-Jährige über ihren Beruf, sie arbeite „am Abgrund“. So heißt auch die siebenteilige SZ-Podcast-Reihe, in der Ramelsberger von Fällen erzählt, die sie besonders berührt oder nicht mehr losgelassen haben. „Der Abgrund sitzt nicht nur auf der Anklagebank, sondern manchmal auch gegenüber“, sagt sie im Gespräch mit Patrick Bauer, die Episoden widmen sich daher auch nachlässigen Ermittlungen bis hin zu Justizskandalen.
Am Montagabend indes sprechen Ramelsberger und Bauer über ein Stück deutscher Geschichte, über „Phantome aus einem Deutschland aus vergangener Zeit“, wie der stellvertretende Ressortleiter Audio & Video halb im Scherz, halb im Ernst sagt. Es geht um den Terror der Roten Armee Fraktion (RAF), um die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer 1977 und um den aktuellen Prozess gegen Daniela Klette, Mitglied der dritten Generation der RAF.






