Es hätten Tage voller Jubelbilder und demonstrativer Eintracht werden können. Grüne und Sozialdemokraten, in den Niederlanden heißen sie Groenlinks und Partij van de Arbeid (PvdA), schließen sich offiziell zusammen. Fast 90 Prozent der Mitglieder beider Parteien haben in einer Online-Befragung für den historischen Beschluss gestimmt. Am Wochenende kam es, nach zunächst getrennten Parteitagen, erstmals zu einer gemeinsamen Zusammenkunft. Doch manchen verging dabei die Lust am Feiern, es kam zu Tränen und Parteiaustritten. Grund ist ein ebenso historischer Kurswechsel in der Nahostpolitik.
In Gang gesetzt hatte ihn Kati Piri. Im Parlament forderte die PvdA-Abgeordnete vom linken Flügel vergangene Woche ein vollständiges Verbot, Waffen an Israel zu liefern – einschließlich der niederländischen Teile für das Luftverteidigungssystem Iron Dome. „Israel ist derzeit der Aggressor“, sagte Piri, „wenn Israel das Opfer wäre, hätten wir eine andere Diskussion.“ Iron Dome sei Teil der israelischen Angriffsmacht und diene nicht nur zur Verteidigung von Zivilisten. „Hätte Netanjahu Iran auch angegriffen, wenn er nicht den Iron Dome hätte? Israel wagt es gerade wegen dieses Systems.“
Piris Vorstoß wurde vor allem von ihrer eigenen, schon seit Längerem fusionierten grün-sozialdemokratischen Fraktion unterstützt. Von weiter rechts kam scharfe Kritik. „Bizarr“, „lebensgefährlich“, „erschreckend“, „völlig verrückt“ lauteten die Urteile. Piri solle ehrlich sagen, welche Folgen das für israelische Bürger haben könne, sagte ein rechtsliberaler Politiker: „dass nämlich Tel Aviv dadurch vollständig von der Landkarte gefegt werden kann“. Der amtierende Außenminister Caspar Veldkamp sprach von einer bemerkenswerten Wende, „auch im Lichte der Geschichte“, und versicherte, die Regierung werde die Idee nicht übernehmen.






