Ganz aus Versehen kam ein Anleger des Onlinebrokers IG zu plötzlichem Reichtum. Eigentlich befanden sich auf seinem Konto nur gut 4770 Euro. Das Geld schob er hinüber zu einem Unterkonto für spezielle Finanzderivate – und stellte fest: Irgendwie erkannte IG nicht, dass er bereits sein gesamtes Kapital transferiert hatte. Also schob er mehr rüber. Und noch mehr. Bis er am Ende des Abends 650.000 Euro umverteilt hatte. Geld, das ihm nie gehörte.

Dann begann der Anleger, damit zu handeln. Zertifikate auf den US-Index Russell 2000, Gold, die Kryptowährung Ether – alles Mögliche holte sich der Mann in großem Stil mit nicht-gedecktem Kapital ins Depot. Das zeigen Kontoauszüge, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Weil viele Produkte gehebelt waren – er also mit kleinerem Einsatz größere Summen bewegte –, habe sich das Volumen zwischenzeitlich auf mehrere Millionen Euro belaufen, so der Anleger. Das alles geschah bereits im April.

Wie kann sowas passieren?

Wenige Tage, nachdem der Anleger irrtümlicherweise so viel Kapital gutgeschrieben bekommen hatte, informierte er seinen Broker IG über den Vorfall. Schnell wird klar: Es handelt sich um einen IT-Fehler. Eine Systemaktualisierung habe die Störung ausgelöst, teilt man ihm mit. „Insbesondere führte diese Störung zu wiederholten, automatisiert durchgeführten Gutschriften im Rahmen von Inter-Account-Transfers, welche von ursprünglich vorhandenen Guthaben auf den betreffenden Konten nicht gedeckt waren“, heißt es in einer Mail der Compliance-Abteilung von IG.